Orchideen mit Eiswürfel gießen – Mythos oder tatsächlich nützlich? Wir fassen Vor- und Nachteile zusammen

Von Anne Seidel

Jeder, der sich gründlich mit der Orchideen-Pflege befasst, trifft irgendwann auf die Behauptung, man könne statt dem Gießen oder Tauchen auch eine andere Methode wählen, die sogar effizienter sein soll: die Verwendung von Eiswürfeln. Doch was das betrifft, scheiden sich die Geister. Während die einen von der Methode überzeugt sind, raten andere dringendst davon ab. Was ist denn nun richtig? Wir sind dem Thema auf den Grund gegangen und fassen Ihnen einmal die Vor- und Nachteile zusammen. Kann man beruhigt Orchideen mit Eiswürfel gießen oder schadet man ihnen damit sogar?

Vorteile von Eiswürfeln bei der Orchideenpflege

Orchideen mit Eiswürfel gießen, um Überwässerung zu vermeiden

Klar, Orchideen lieben Feuchtigkeit. Schließlich ist das für ihre Heimat typisch. Dennoch kann es schnell zu viel des Guten werden, denn Staunässe vertragen diese Pflanzen ganz und gar nicht. Und dann ist da noch die andere Seite: Man bewässert zu selten und die feuchtigkeitsliebenden Luftwurzeln (und auf Dauer natürlich auch der Rest der Pflanze) vertrocknen. Wie findet man die goldene Mitte? Jede Woche oder alle zwei Wochen (je nach Saison) für 15 Minuten tauchen und das überschüssige Wasser dann abfließen lassen sowie die Orchideen zu besprühen sind die eine Variante. Oder Sie können die Orchideen mit Eiswürfel gießen.

Eis taut allmählich auf und bewässert so die Pflanze gleichmäßig

  • Die Idee ist, dass das Wasser ganz allmählich von Substrat und Pflanze aufgesaugt werden kann. Würden Sie stattdessen ganz klassisch mit Gießkanne gießen, würde der Großteil des Wassers direkt in den Übertopf abfließen.
  • Die Methode scheint einfacher und weniger zeitaufwändig zu sein. Man nimmt einfach den Würfel aus dem Gefrierschrank, legt es auf das Substrat und schon hat man die Aufgabe erledigt.
  • Abgeflossenes, überschüssiges Wasser muss nicht jedes Mal entsorgt werden, um Staunässe zu vermeiden.
  • Wenn man Orchideen in Hängekörben direkt gießt, besteht das Risiko, dass diese überlaufen und die Terrasse/den Balkon überfluten. In solchen Fällen wären Eiswürfel eine gute Alternative.

Was spricht dagegen?

Was Sie beachten sollten, wenn Sie Eis zum Bewässern verwenden

Es gibt auch einige Behauptungen, die für die Verwendung von Eiswürfeln sprechen sollen, aber eigentlich nicht wirklich der Wahrheit entsprechen. So behauptet manch Einer, dass die Verwendung von gefrorenem Wasser Keime verhindert, da Eis diese abtötet. Das ist jedoch ein Mythos und kein Vorteil gegenüber normalem Wasser.

Ebenfalls falsch ist, dass der Temperaturunterschied, der durch das Bewässern mit Eis entsteht, die Blüte fördern soll. Solche Unterschiede zwischen Tag und Nacht zwar tatsächlich wichtig, damit die Pflanze in die Wachstumsphase und dann in die Blütephase übergehen kann, jedoch wird das nicht durch die Verwendung von Eiswürfeln erreicht. Außerdem werden hierbei, wenn überhaupt, nur die Wurzeln gekühlt, nicht aber der oberirdische Teil der Orchidee. Die Pflanze kann in einen Wärmeschock oder sogar in eine Ruhephase verfallen, wodurch das Wachstum hinausgezögert wird.

Orchideenpflege mit Eis im Vergleich zum Tauchen und der Gießkanne


Weitere Dinge, die gegen die Verwendung von Eis sprechen:

  • Überwässerung ist also einer der Hauptgründe, weshalb manche empfehlen, mit Eiswürfeln zu bewässern. Doch eigentlich ist es nicht die Dauer des Tauchens beispielsweise, die für eine Überwässerung sorgen könnte, sondern eher die Häufigkeit. Deshalb könnten Sie auch einfach nur die Häufigkeit reduzieren und immer nur dann Tauchen oder Gießen, wenn die oberste Schicht des Substrats trocken ist. Das versorgt die Pflanze mit ausreichend Feuchtigkeit und muss nicht so oft wiederholt werden, wie das Gießen mit Eiswürfeln.
  • Wenn Sie Orchideen mit Eiswürfel gießen, vermeiden Sie zwar Staunässe und zu viel Wasser. Dafür riskieren Sie aber auch einen Wassermangel.
  • Man muss immer daran denken, einen Vorrat an Eiswürfeln vorzubereiten.
  • Kommt das Eis mit der Pflanze in Berührung, könnte sie Schaden davontragen.
  • Zum Bewässern ist Wasser mit Zimmertemperatur immer die bessere Wahl (egal für welche Pflanze), da große Temperaturunterschiede an den Wurzeln für Stress sorgen können.

Orchideen mit Eiswürfel gießen – Was sollten Sie beachten?

Orchideen mit Eiswürfel gießen - Vorteile und Nachteile der Bewässerung

Sollten Sie doch Ihre Orchideen mit Eiswürfel gießen wollen, beachten Sie folgende Dinge:

  • Die Orchidee ist eine tropische Pflanze, die zu niedrige Temperaturen nicht verträgt, geschweige denn solche von gefrorenem Wasser. Der Würfel sollte deshalb keinesfalls auf einer Wurzel aufliegen oder Stängel oder Blätter berühren. Wählen Sie eine Stelle, an der sich lediglich Substrat befindet.
  • 2 bis 3 Eiswürfel pro Woche (oder 4 bis 5 bei kleineren Würfeln), gelten als ausreichend. Jedoch sollten Sie das nicht unbedingt als Regel ansehen, denn das kann je nach Wetter/Saison und Pflanze variieren. So kann trockene Heizungsluft beispielsweise Ihre Orchidee schneller austrocknen. Aus diesem Grund überprüfen Sie immer das Substrat. Ist die oberste Schicht trocken, ist Bewässern angesagt.

Fazit: Orchideen mit Eiswürfel gießen oder nicht

Orchideen mit Eiswürfel gießen - Zeitsparende und einfache Methode


Wenn Sie also richtig vorgehen, kann sich das Bewässern mit Hilfe von Eiswürfeln tatsächlich als sehr nützlich erweisen. Vor allem, wenn Sie befürchten, der Pflanze zu viel Wasser verabreichen zu können, ist dies eine wunderbare Alternative. Beim Tauchen hingegen könnte man durchaus einmal vergessen, die Pflanzen wieder rechtzeitig aus dem Wasser zu nehmen oder aber zu oft tauchen, während das gefrorene Wasser allmählich auftaut und die Pflanze mit genau der richtigen Menge Wasser versorgt, ohne Staunässe zu verursachen.

Während besonders trockener Phasen könnte die Eiswürfelmethode durchaus mehr Zeit beanspruchen als das klassische Tauchen, das sie nur einmal wöchentlich durchführen müssen, weil sich die Pflanze so bestens mit Feuchtigkeit vollsaugen kann. Die Würfel geben hingegen weniger Wasser ab, sodass Sie das Bewässern öfter wiederholen müssen.

Ob die Methode also für Sie geeignet ist, müssen Sie selbst entscheiden. Wichtig ist, dass das Eis keine Pflanzenteile berührt, damit sie nicht erfrieren.

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