Stiller Herzinfarkt: Was sind die Anzeichen, Symptome und Warnsignale? Welche Untersuchungen verschaffen Klarheit

von Sofia Mantov
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Stiller Herzinfarkt, der gefährliche Bruder des ohnehin schon gefürchteten Herzinfarktes ist laut Harvard Medical School für knapp 45 Prozent der Fälle verantwortlich. Gefährlich deshalb, da er still und leise daherkommt und oftmals deshalb auch über Tage, Wochen und Monate unbemerkt bleiben kann. Laut des Statistischen Bundesamtes (1) sind im Jahr 2020 in Deutschland insgesamt 985 572 Menschen verstorben. 338 001 von Ihnen an Krankheiten des Herzkreislaufsystems. Davon 44 529 an akutem oder rezidivierendem Myokardinfarkt. Knapp die Hälfte der Fälle wird nicht erkannt oder unterbewertet. Dies erhöht das Risiko für einen Tod durch eine koronare Herzkrankheit.

Stiller Herzinfarkt: Anzeichen und Symptome

Klassischer Herzanfall Intensität kann nicht ignoriert werden

Der Name “Stiller Herzinfarkt” oder “Stummer Herzinfarkt” kommt daher, dass diese Form nicht mit den bekannten Symptomen kommt. Diese können folgende sein: extreme Schmerzen und Druck in der Brust, stechende Schmerzen im Arm, Nacken oder Kiefer, plötzliche Kurzatmigkeit, kalter Schweiß oder Schwindel. Diese Alarmsignale des Körpers weisen darauf hin, dass möglicherweise etwas Schweres im Gange ist. Sie alarmieren uns, sodass wir ärztliche Hilfe aufsuchen können. Beim stillen Herzinfarkt fehlt es diesen begleitenden Symptomen an Intensität, sodass der Herzinfarkt möglicherweise kaum oder gar nicht wahrgenommen wird.

Stiller Herzinfarkt: Symptome

Stiller Herzinfarkt Diffuse Symptome die leicht verwechselbar sind

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Die Symptome werden meist als allgemeines Unwohlsein empfunden. Beschwerden wie Müdigkeit oder allgemeines körperliches Unbehagen, dessen Ursachen leicht auch anderen Ursachen zugeschrieben werden könnten, werden genannt. Beispielsweise Überarbeitung, mangelnder Schlaf oder dem Alter zugeordnete Gebrechlichkeit und Beschwerden. Weitere Symptome können milde Schmerzen in der Kehle oder in der Brust sein, die leicht mit Magenverstimmungen, Verdauungsstörungen oder Sodbrennen verwechselt werden könnten. Auch der Brustschmerz wird, anders als der stechende, linksseitige Schmerz des klassischen Herzinfarktes, eher als mild empfunden. Die Betroffenen lokalisieren diesen mittig im Brustraum. Es kann sogar sein, dass ein stiller Herzinfarkt ohne die Wahrnehmung jeglicher Symptome verläuft. Der betroffenen Person entgeht dieser Infarkt und er bleibt völlig unbemerkt.

Kann lange Zeit unbemerkt verbleiben

EKG Beschädigungen an der Herzmuskulatur aufspüren

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Laut einer Studie der American Medical Association aus dem Jahre 2o15 ist die Anzahl der Menschen, die einen stummen Herzinfarkt erleiden, der unbemerkt bleibt, erschreckend hoch. Die Studie untersuchte 2000 Versuchspersonen im Alter von 45 – 84 Jahren. Die Versuchsgruppe bestand aus 50 % männlichen und 50 % weiblichen Studienteilnehmern. Allesamt waren zu Beginn frei von Herz-Kreislaufkrankheiten. Nach zehn Jahren stellte man bei 8 % der Studienteilnehmer eine Narbenbildung im Herzmuskelgewebe fest. Diese Narbenbildung gilt als klarer Beweis für einen erlittenen Myokardinfarkt. Am meisten überraschte der Fakt, dass 80 % der betroffenen Untersuchungsteilnehmer im Unklaren darüber waren, dass sie einen derartigen Vorfall erlitten hatten. Insgesamt war der Fund von Vernarbungen auf dem Herzmuskelgewebe fünfmal höher bei den männlichen Studienteilnehmern als bei den weiblichen.

Risikofaktoren

Stiller Herzinfarkt der unsichtbare Vorfall der Spuren hinterlässt

Die Risikofaktoren des stillen Herzinfarktes gleichen im Allgemeinen diesen des klassischen Herzinfarktes. Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel, hoher Blutdruck, hohe Cholesterinwerte im Blut und Diabetes führen die Liste der Risikofaktoren auch hier an. Ein derartiger Herzanfall hinterlässt Narben auf dem Herzmuskelgewebe. Gemeinsam mit dem Fakt, dass die Person im Unklaren über den Vorfall ist und deshalb nicht zur Behandlung schreitet, erhöht das Risiko auf einen weiteren, intensiveren Infarkt. Ebenfalls erhöht sich somit das Risiko, an koronarer Herzkrankheit zu versterben. Ein derartiger Herzanfall ist ein deutliches Zeichen für das Vorliegen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung und ein Signal dafür, dass etwas unternommen werden muss.

Stiller Herzinfarkt: Diagnose und Untersuchung

Stiller Herzinfarkt EKG Untersuchung bei Ihrem Arzt kann Klarheit verschaffen

Der stumme Herzinfarkt kann also für Tage, Monate oder Jahre unbemerkt verbleiben. Bis der Patient eventuell zur nächsten ärztlichen Kontrolluntersuchung geht und dort hartnäckige Symptome und Beschwerden wie zum Beispiel Müdigkeit, Kurzatmigkeit oder Sodbrennen zum Ausdruck bringt. Dann kann der Arzt mithilfe eines EKGs oder eines Echogramms feststellen, ob sich möglicherweise eine Beschädigung des Herzmuskelgewebes zeigt. Eine weitere Untersuchungsmöglichkeit bietet ein Bluttest, der nach Spuren des Proteins Troponin t sucht und gegebenenfalls aufspürt. Troponin ist ein Protein, welches von beschädigten Herzzellen freigesetzt wird. Dieser Test ist ein häufig genutztes Instrument in der Notfallambulanz, das seinen Einsatz findet, wenn es darum geht festzustellen, ob ein Patient mit Myokardinfarkt-Symptomen auch tatsächlich einen Myokardinfarkt hat.

Behandlung

Bei koronaren Herzkrankheiten Ernährungsumstelleung für die Herzgesundheit

Falls Ihr Arzt das Auftreten diagnostiziert hat, kann er Ihnen für die Behandlung und den weiteren Verlauf dabei helfen, Ihre individuellen Hauptrisikofaktoren zu identifizieren. Als auch eine individuelle Behandlungsstrategie für Sie festzulegen. Dies kann sowohl eine Ernährungsumstellung und die Planung einer Bewegungstherapie, als auch die Verschreibung von Medikamenten sein wie Statine oder andere. Das Ziel ist, dem Risiko eines möglichen weiteren Herzinfarkts vorzubeugen.

Arzt erörtert Behandlungsstrategie und Umstellungsnotwendigkeiten

Wenn Sie das Gefühl haben, dass etwas nicht in Ordnung ist und Sie vermuten, es könnte sich um einen stillen Herzinfarkt handeln, zögern Sie nicht, sondern gehen Sie auf Nummer sicher. Auch wenn die Symptome Ihnen trivial erscheinen mögen, gehen Sie lieber einmal mehr in die Arztpraxis, als dass Sie eine größere gesundheitliche Gefährdung riskieren.

(1) Die Daten vom Statistischen Bundesamt