Könnten typische Viruserkrankungen eine mögliche Ursache für Alzheimer darstellen?

Von Charlie Meier

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen legen nahe, dass bestimmte virale Moleküle eine potenzielle Ursache für Alzheimer sein könnten. Diese erleichtern nämlich die interzelluläre Ausbreitung von Proteinaggregaten, die charakteristisch für Neurodegeneration und Hirnerkrankungen sind. Darüber hinaus könnten die neuen Forschungsergebnisse Hinweise darauf geben, wie akute oder chronische Virusinfektionen neurodegenerative Erkrankungen verursachen.

Warum Forscher ein Virusinfekt als Ursache für Alzheimer ansehen

gefährliche viruserkrankungen im labor untersuchen

Ein deutsches Forschungsteam aus Bonn führte mit Kollegen aus Belgien Laborexperimente in Zellkulturen durch. Dabei untersuchten die Wissenschaftler den interzellulären Transfer von entweder Prionen oder Aggregaten von Tau-Proteinen, wie sie in ähnlicher Form bei Prionerkrankungen oder der Alzheimer-Krankheit vorkommen. Die Forscher ahmten das nach, was als Folge einer Virusinfektion passiert. Sie induzierten dann die Zellen, virale Proteine ​​​​zu produzieren, die eine Bindung von Zielzellen und Membran vermitteln. Als Paradebeispiele wurden zwei Proteine ​​ausgewählt: SARS-CoV-2-Spike-Protein S, das aus dem COVID-19-verursachenden Virus stammt, und das vesikuläre Stomatitis-Virus-Glykoprotein VSV-G. Letzteres kommt in einem Erreger vor, der Rinder und andere Tiere infiziert. Die Ergebnisse zeigten, dass die viralen Proteine ​​sowohl in die Zellmembran als auch in die extrazellulären Vesikel eingebaut werden. Die Zellmodelle replizieren jedoch sicherlich nicht die vielen Aspekte des Gehirns mit seinen sehr spezialisierten Zelltypen. Nichtsdestotrotz erhöhte die Anwesenheit von viralen Liganden deutlich die Ausbreitung von fehlgefalteten Proteinen auf andere Zellen.

wissenschaftliche experimente in zellkulturen identifizieren virusinfektionen als ursache für alzheimer

Die Forschungsergebnisse legen vor allem nahe, dass virale Ligand-Rezeptor-Wechselwirkungen im Prinzip die Übertragung von pathologischen Proteinen beeinflussen können. Das ist eine neuartige Erkenntnis, so die Studienautoren. Die Gehirne von Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen enthalten manchmal bestimmte Viren. Sie stehen im Verdacht, Entzündungen zu verursachen oder toxisch zu wirken und so die Neurodegeneration zu beschleunigen. Virusproteine ​​könnten jedoch auch anders wirken. Sie könnten die interzelluläre Ausbreitung von bereits laufenden Proteinaggregaten bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer verstärken, so die Forscher. Die neuen Erkenntnisse aus dieser Studie erfordern laut den Autoren noch weitere Untersuchungen mit neurotropen Viren.

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