Wetterfühligkeit: Für diese Symptome kann ein Wetterumschwung verantwortlich sein

Von Ramona Berger

So zerstörerisch und unbeständig wie in diesem Sommer war das Wetter in Deutschland noch nie. Der Wetterumschwung führte nicht nur zu Problemen, die durch Hochwasser, starke Winde und schwere Stürme verursacht wurden, sondern verschlimmerte auch bestehende Krankheiten wie Migräne, Rheuma und Asthma. Es ist kein Mythos: Ein intensiver Wetterwechsel und insbesondere niedriger Luftdruck wirkt sich spürbar auf unseren Körper aus. Bei Wetterfühligkeit werden häufig Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Reizbarkeit, Schlafstörungen und Gelenk- oder Muskelschmerzen beobachtet. Wie der Körper noch auf Wetterveränderungen reagiert, erfahren Sie im Folgenden.

Wetterfühligkeit: Was macht das Wetter mit uns?

Wetterfühligkeit Was das Wetter mit uns macht

Spüren Sie einen aufkommenden Sturm? Hat man Ihnen gesagt, Sie seien ein menschliches Barometer, das Veränderungen des Luftdrucks wahrnehmen kann? Sie sind nicht verrückt und Sie sind nicht allein. Es ist möglich, den aufkommenden Sturm „in den Knochen“ zu spüren – oder in Ihrem Kopf.

Der barometrische Druck ist der atmosphärische Druck, das Gewicht der Atmosphäre. Veränderungen des Luftdrucks wirken sich auf verschiedene Weise auf unseren Körper aus. Manche Menschen reagieren empfindlicher auf Wetterveränderungen als andere, etwa Menschen mit Migräne oder Arthritis. Wenn der Luftdruck sinkt, bedeutet das, dass ein Sturm oder eine andere Art von Wetteränderung bevorsteht.

Es ist jedoch schwierig zu sagen, dass der Luftdruck allein für die zusätzlichen Beschwerden verantwortlich ist. Wetterumschwünge und Stürme gehen mit anderen Veränderungen einher, wie Temperaturschwankungen, Regen oder Schnee und Veränderungen des Windes. Hier sind die häufigsten Auswirkungen, die die Wetterfühligkeit auf unseren Körper hat.

Wetterfühligkeit zeigt sich durch:

Kopfschmerzen

Wetterfühligkeit Symptom Kopfschmerzen

Das ist nicht nur ein Ammenmärchen: Schlechtes Wetter kann Kopfschmerzen verursachen. Tatsächlich haben japanische Forscher 2015 herausgefunden, dass der Verkauf von Kopfschmerzmedikamenten direkt mit dem Rückgang des Luftdrucks korreliert, also mit dem, was passiert, bevor wirklich schlechtes Wetter eintritt. In einem Artikel für The Conversation erklärt die Professorin für Neurowissenschaften an der Durham University, Dr. Amanda Ellison, wie das funktioniert.

Schlechtes Wetter kann Kopfschmerzen verursachen

„Es gibt hier zwei Wirkmechanismen“, schreibt sie. „Der eine hängt mit den Nebenhöhlen zusammen – den vier kleinen luftgefüllten Hohlräumen in den Gesichtsknochen. Genauso wie die Ohren „knallen“, wenn sich der Luftdruck ändert, können Veränderungen des atmosphärischen Luftdrucks ein Ungleichgewicht des Drucks in den Nebenhöhlen verursachen, was zu Entzündungen und Schmerzen führt. Je nachdem, welche Nebenhöhle am stärksten betroffen ist, fühlen sich die Schmerzen unterschiedlich an: Sie reichen von Schmerzen in der Stirn über Schmerzen zwischen und hinter den Augen bis hin zu Schmerzen im Gesicht oder diffusen Kopfschmerzen im vorderen oder hinteren Bereich des Kopfes. Wofür man eher anfällig ist, hängt von der individuellen Struktur des Kopfes ab.

„Der andere Wirkmechanismus, warum sich Wetterfühligkeit als Kopfschmerzen zeigt, hängt mit der Art und Weise zusammen, wie Luftdruckänderungen den Blutfluss im zerebrovaskulären System verändern, das steuert, wie das Blut im Kopf zirkuliert“, schreibt Ellison. „Blut ist hochgiftig für die Neuronen und deshalb ist es sehr wichtig, dass das Blut vom Gehirn getrennt bleibt. Die Blutgefäße des zerebrovaskulären Systems verfügen über Rezeptoren, die aktiviert werden, wenn sich die Blutgefäße zu sehr weiten, und die als Frühwarnsystem dafür dienen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Wir nehmen diese Aktivierung als Schmerz wahr.“ Da sich der Blutfluss zum Gehirn ändert, kann die Wetterfühligkeit auch Ihre Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen.

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Ellison schlägt als Hausmittel Kaugummi vor. „Er kann dazu beitragen, dass sich der Druck in den Nebenhöhlen über Mund, Nase und Eustachische Röhre (die vom Mittelohr zum Rachen verläuft und für den Druckausgleich sehr wichtig ist) ausgleicht – und kann so Spannungskopfschmerzen vorbeugen.

Wetterbedingte Migräne

Wetterbedingte Migräne bei einem älteren Mann

Luftdruckschwankungen sind einer der am häufigsten genannten wetterbedingten Migräneauslöser. Ein weiterer Migräneauslöser sind die Temperaturschwankungen, die in der Regel mit wechselndem Luftdruck einhergehen. „Jeder Temperaturwechsel, von warm zu kalt oder von kalt zu warm, kann eine Migräneattacke auslösen“, sagt die Kopfschmerzspezialistin Dr. Cynthia Armand.

wetterfühligkeit bei gewitter


„Wenn der wechselnde Luftdruck mit einem Gewitter einhergeht, ist die Wahrscheinlichkeit, dass dies einen Migräneanfall auslöst, noch größer“, sagte Dr. Vince Martin, Direktor des Headache and Facial Pain Center am Gardner Neuroscience Institute der University of Cincinnati. Er erläuterte seine faszinierenden Forschungsergebnisse über den Zusammenhang zwischen Migräne und Blitzen:

„Wir haben 2013 eine Studie in der Fachzeitschrift Cephalalgia veröffentlicht, in der wir herausfanden, dass bei einem Gewitter im Umkreis von 25 Meilen (ca. 40 km) um den Wohnsitz der betreffenden Person ein um 25 bis 30 % erhöhtes Risiko für neu auftretende Kopfschmerzen besteht, d. h. die Kopfschmerzen begannen an diesem Tag, oder für eine neu auftretende Migräne.

„Dann haben wir Modelle entwickelt, mit denen wir feststellen können, ob es der Blitz war oder die anderen meteorologischen Faktoren, die mit einem Gewitter verbunden sind, wie Niederschlag oder Luftdruck“, sagt er. „Selbst, nachdem wir diese Faktoren berücksichtigt hatten, war der Blitz immer noch ein einzigartiger Auslöser für Migräne.“

Atemwegsprobleme

wetterfühligkeit verursacht atemwegprobleme

Der mit schlechtem Wetter verbundene niedrige Luftdruck ist nicht das Einzige, was uns beeinträchtigen kann. Steigende Luftfeuchtigkeit kann auch Druckgefühl und Schmerzen im Gesicht verursachen. Das liegt daran, dass bei hoher Luftfeuchtigkeit die Schleimproduktion in den Nebenhöhlen zunimmt, um Allergene, Staub und Schmutzpartikel, die in der dichten, feuchten Luft reichlich vorhanden sind, abzufangen. Dies kann zu Verstopfung, Entzündung und Unbehagen in den Nebenhöhlen führen – und damit oft zu Sinusitis-Kopfschmerzen.

Heißes, feuchtes Wetter kann das Atmen erschweren, insbesondere für Menschen mit vorbestehenden Lungenerkrankungen. Auch die Luftverschmutzung, die bei Hitze noch schlimmer ist, spielt eine Rolle.

Wetterfühligkeit und Kreislauf

wetterfühligkeit bei älteren menschen

Wie kann sich der heutige Luftdruck auf Ihren Blutdruck auswirken? Ihr Kreislaufsystem besteht aus Ihrem Herzen, das als Pumpe fungiert, und Ihren Arterien und Venen, die das Blut zum und vom Herzen und den Geweben wegtransportieren. Der Blutdruck wird durch die Geschwindigkeit und Kraft Ihres Herzens und den Widerstand Ihrer Blutgefäße bestimmt. Die Veränderung des Blutdrucks ist eine weitere wichtige Auswirkung des Luftdrucks auf die Gesundheit.

„Der Blutdruck ist im Allgemeinen im Winter höher und im Sommer niedriger. Das liegt daran, dass sich bei niedrigen Temperaturen die Blutgefäße verengen. Dadurch steigt der Blutdruck, weil mehr Druck erforderlich ist, um das Blut durch die verengten Venen und Arterien zu pumpen“, erklärt Dr. Sheldon Sheps auf MayoClinic.org.

Bei Hitze im Sommer weiten sich unsere Blutgefäße, um Körperwärme abzugeben, was zu niedrigem Blutdruck führt. Infolgedessen wird der Kreislauf schwächer und das Blut zirkuliert schlechter. Die typischen Symptome von niedrigem Blutdruck sind Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen und Müdigkeit.

„Der Blutdruck kann auch durch einen plötzlichen Wetterumschwung beeinflusst werden, z. B. durch eine Wetterfront oder einen Sturm“, so Dr. Sheps. „Ihr Körper – und Ihre Blutgefäße – können auf plötzliche Veränderungen der Luftfeuchtigkeit, des Luftdrucks, der Bewölkung oder des Windes genauso reagieren wie auf Kälte.“

„Diese wetterbedingten Blutdruckschwankungen treten häufiger bei Menschen ab 65 Jahren auf“, schrieb er.

Wetterfühligkeit und Blutzucker

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Wenn der Luftdruck während einer Kaltfront sinkt, nimmt die Viskosität oder Dicke des Blutes zu, sagte Jennifer Vanos, Assistenzprofessorin für Geowissenschaften an der Texas Tech, in einem Interview mit Weather.com. „Diabetiker haben während der Kaltfronten mehr Probleme, ihren Blutzucker zu kontrollieren“, sagte sie.

Ein rascher Abfall des Blutzuckerspiegels könnte auch einen Migräneanfall auslösen. Eine reaktive Hypoglykämie ist ein Zustand, bei dem der Blutzucker schnell abfällt, und zwar in der Regel dann, wenn der Zuckerrausch von kohlenhydrat- oder glukosereichen Lebensmitteln nachlässt. Dies ist einer der am wenigsten verstandenen, aber sehr realen Migräneauslöser.

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Wenn der Blutzuckerspiegel aufgrund von Umweltveränderungen abfällt, kann dies zu einer sogenannten Müdigkeit bei niedrigem Luftdruck (low barometric pressure fatigue) führen. Also ein Wetterumschwung macht tatsächlich müde. Durch den Glucosemangel im Gehirn entstehen noch Symptome wie Konzentrationsstörungen oder Schwindel.

Gelenkschmerzen, Kniearthrose und Co.

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Wie Dr. Jaspal Singh vom Weill Cornell Medicine Center for Comprehensive Spine Care in New York gegenüber der New York Times erklärte, reagieren unsere Gelenke tatsächlich auf Veränderungen des Luftdrucks.

„Bei normalem oder höherem Luftdruck, wenn die Atmosphäre schwerer ist, drückt sie von außen gegen uns und hindert unser Körpergewebe daran, sich auszudehnen“, erklärt die NY Times. „Aber wenn der Luftdruck sinkt – wie vor feuchtem, regnerischem oder verschneitem Wetter – hat das Körpergewebe mehr Platz, sich auszudehnen. Wenn dies der Fall ist, kann es gegen unsere Gelenke drücken, was bei manchen Menschen, insbesondere bei solchen mit Verletzungen oder Arthritis, zu Schmerzen führt.“

Interessanter Fakt: Ein niedriger Luftdruck kann eine Spontangeburt auslösen

Ein niedriger Luftdruck kann eine Spontangeburt auslösen

Laut einer siebenjährigen Studie japanischer Ärzte, die in der Fachzeitschrift Archives of Gynecology and Obstetrics veröffentlicht wurde, besteht ein Zusammenhang zwischen einem plötzlichen Abfall des atmosphärischen Luftdrucks und dem Wasserbruch bei einer normalen Geburt, auch „Spontangeburt“ genannt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein niedriger Luftdruck Blasensprung und Geburt auslöst.

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