Ernährung bei Neurodermitis: Mit der richtigen Diät die Symptome mildern

Von Olga Schneider

Juckreiz, Hautrötungen und häufige Hautausschläge: Rund ein Zehntel aller Kinder und 3 % der Erwachsenen in Deutschland haben mit Neurodermitis zu kämpfen. Die Hautkrankheit zeichnet sich durch einen schubweisen Verlauf aus. Was genau die Erkrankung verursacht, ist zurzeit nicht klar. Als mögliche Auslöser gelten unter anderem einige Nahrungsmittel-Allergien. Der Zusammenhang zwischen dem Verzehr von bestimmten Lebensmitteln und der Phase mit akuten Beschwerden ist sogar wissenschaftlich belegt worden. Da aber die Krankheit bei jedem anders verläuft, stimmen die Ärzte die Therapie bzw. die Diät auf die persönlichen Bedürfnisse jedes einzelnen Patienten ab. Trotzdem gibt es mehrere Richtlinien, was grundsätzlich zu vermeiden ist, und was die Betroffenen unbedenklich essen können. Wir geben Ihnen einige Tipps für Ihre Ernährung bei Neurodermitis und erklären, welche Lebensmittel die Symptome mildern und welche sie verschlimmern könnten.

Ernährung bei Neurodermitis: Die Ursachen sind unterschiedlich

Neurodermitis Schub vermeiden Tipps für Erwachsene und Kinder und Babys

Neurodermitis ist eine Hauterkrankung, die bereits im Baby-Alter zum ersten Mal auftreten kann. Die Forscher haben belegt, dass Babys, die ihre erste Neurodermitis Phase unter einem Jahr erleiden, später Nahrungsmittel-Allergien entwickeln können. Bei einem Großteil der betroffenen Kleinkinder kann eine solche Allergie durch einen Allergietest festgestellt werden. Die gute Nachricht: Kleinkinder wachsen oft bis zum 14. Lebensjahr die Hauterkrankung aus und Jugendliche und Erwachsene im Alter zwischen 20 und 30 Jahren leiden deutlich seltener an den Ekzemen. Entwickeln die Kinder aber eine Lebensmittel-Allergie, werden sie lebenslang damit umgehen müssen. Umso wichtiger ist es also, die richtige Ernährung  im Baby-Alter mit dem Kinderarzt zu besprechen. Hier sind einige Tipps, die  zur Orientierung dienen können:

Ernährung bei Neurodermitis: Baby

Ernährung bei Baby mit Neurodermitis welche Zutaten vermeiden

Babys können sowohl an Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten, als auch an Allergien leiden. Letztere können die Hauterkrankung Neurodermitis auslösen. Wie lassen sich aber die beiden voneinander unterscheiden, wenn die Symptome eigentlich sehr ähnlich sind?

Ernährung bei Neurodermitis bei Baby Allergien feststellen und hypoallergene Babynahrung wählen

Allergien: Bei Babys und Kleinkindern unter 10 Jahren werden oft nach Tests IgE-Antikörper gefunden. IgE, eine Abkürzung für Immunoglobulin E, ist eine Substanz, die der Körper als Abwehr gegen schädliche Viren und Bakterien bildet. Im Fall einer Allergie wird der Antikörper als Abwehr gegen eigentlich ungefährliche Lebensmittel gebildet. Diese Intoleranz wachsen viele Kinder aus. Unklar bleibt, warum Babys zunächst eine Allergie und dann doch eine Toleranz entwickeln.

Unverträglichkeiten: Bei Unverträglichkeiten handelt es sich eher um Verdauungsprobleme. Das bedeutet, dass das Baby einige Nahrungsmittel nicht verdauen kann. Die Symptome sind meistens Durchfall, Blähungen und Koliken. Unverträglichkeiten werden nicht ausgewachsen.

Ernährung bei Neurodermitis bei Baby neue Lebensmittel langsam einführen


Die Ernährung bei Neurodermitis umzustellen, kann sich als eine echte Herausforderung erweisen. Im Idealfall sollten Säuglinge mindestens die ersten 6 Monate gestillt oder mit einem hydrolysierten Formulaprodukt gefüttert werden. Ab sechs Monaten wird dann ein Allergietest auf Kuhmilch, Weizen, Eier und eventuell verschiedene Nüsse durchgeführt. Dabei können in den meisten Fällen die Eltern auch ohne Tests Allergien feststellen. Denn bei der Mehrheit der Babys unter einem Jahr treten Hautrötungen ein bis zwei Stunden nach der Aufnahme von Allergenen auf.

Eltern sollten am besten mithilfe des Kinderarztes einen Ernährungsplan erstellen und Beikost schrittweise einführen, und alle 4-5 Tage eine neue Zutat hinzufügen. So kann rechtzeitig festgestellt werden, ob das Baby die neue Zutat gut verträgt oder nicht.

Ernährung bei Neurodermitis bei Kindern

Ernährung bei Neurodermitis bei Kindern auf Zucker verzichten Äpfel essen

Im Unterschied zu den Babys können bei den meisten Kindern im Kindergarten- und Schulalter Allergien bzw. Unverträglichkeiten mit Tests festgestellt werden. Bei Verdacht auf eine Lebensmittel-Allergie führt der Kinderarzt meistens Provokationstests durch. Als Alternative bietet sich die sogenannte Weglass-Diät. Unverträglichkeiten wie zum Beispiel Fructoseintoleranz können mit einem Atemtest ermittelt werden.

Treten die ersten Symptome der Hauterkrankung Neurodermitis auf, dann ist in den meisten Fällen eine Ernährungsumstellung notwendig. Hier gilt es vor allem, zusammen mit einem Arzt einen Ernährungsplan zu erstellen. Weiterhin ist es wichtig, Lebensmittel, die die Krankheitsschübe auslösen oder den Juckreiz verschlimmern könnten, zu meiden.

Ernährung bei Neurodermitis bei Kindern Früchte und Gemüse essen


Das Ziel eines Ernährungsplans ist es, nur die individuellen Auslöser zu vermeiden. Dabei gelten die folgenden Grundprinzipien:

  • Möglichst wenig Weißmehl-Produkte verzehren. Sie enthalten säurebildende Stoffe, die die Haut entzünden können. Als Alternative dazu bieten sich zum Beispiel Dinkel-, Reis-,  Soja- oder Hirsemehl.
  • Auf Süßigkeiten mit hohem Zuckergehalt komplett verzichten. Sie können Schübe auslösen und den Juckreiz verschlimmern. Als Ersatz zu Keksen, Kuchen, Schokolade und Sahne eignet sich unter anderem Trockenobst oder bestimmte süße Früchte wie Mango. Nach 1-2 Monaten können selbstgemachte Backwaren mit Honig versüßt werden.

Neurodermitis und Lebensmittel-Allergien bei Kindern warum ein Zusammenhang besteht

  • Kuhmilch, Hühnereier, Fisch, Meeresfrüchte, Schweinefleisch, Tomaten und Zitrusfrüchte gelten allgemein als schlecht verträgliche Lebensmittel. Eltern sollten aber auf keinen Fall diese Nahrungsmittel aus dem Menü ausschließen!  Nur im Falle, dass eine Allergie durch Tests festgestellt wurde, kann der Arzt bestimmte Lebensmittel durch andere ersetzen. Ansonsten gilt der Verzehr als unbedenklich!
  • Мindestens zwei Handvoll Gemüse täglich essen. Brokkoli, Spinat, Zwiebel, Knoblauch und Feldsalat sind für ihre entzündungshemmende Wirkung bekannt.
  • Mindestens eine Handvoll Obstsorten mit wenig Zuckergehalt wie Blaubeeren, Kokosnuss, Erdbeeren, Aprikosen und Wassermelone täglich verzehren. Selbst zuckerhaltige Früchte wie Äpfel müssen aus dem Menü nicht ausgeschlossen werden. Inzwischen gibt es die Sorten Idared oder Gloster, die sehr wenig Zucker enthalten.

Eine vom Kinderarzt festgelegte Diät sollten die kleinen Patienten jedoch nicht zu lange einhalten. Normalerweise überprüfen die Ärzte alle 6 bis 8 Monate, ob die Allergie noch besteht.

Ernährung bei Neurodermitis bei Erwachsenen

Ernährung bei Neurodermitis Lebensmittel die Allergie auslösen können

Während die richtige Ernährung bei Babys und Kleinkindern eine vorbeugende und therapeutische Wirkung hat, kann sie bei Erwachsenen nur bedingt helfen. Eins steht auf jeden Fall fest: Mit Ernährung Neurodermitis zu heilen, ist nicht möglich. Wenn die Erwachsenen aber ihre Ernährung umstellen, können sie die symptomfreien Intervalle verlängern.

Bei Erwachsenen ist die chronische Hautkrankheit meistens auf eine Kreuzallergie zurückzuführen. Dabei geht es um eine pollenassoziierte Reaktion auf Lebensmitteln. Studien zufolge entwickeln oft Menschen, die eine Pollenallergie haben, auch eine Lebensmittel-Allergie. Patienten mit Birkenpollenallergie verspüren zum Beispiel starken Juckreiz nach dem Verzehr von Früchten wie Pfirsichen, Aprikosen, Kirschen und Nüssen wie Hasel- und Walnüssen. Im Folgenden listen wir weitere Beispiele für Kreuzallergie auf:

Ernährung bei Neurodermitis Rezepte für Salat mit Gemüse und Obst und Trockenobst zubereiten

  • Wer gegen Getreidepollen allergisch ist, kann eine Allergie auf Getreidemehl entwickeln.
  • Menschen, die primär gegen Olivenpollen allergisch sind, können eine Nahrungsmittel-Allergie auf Ananas und Meerrettich entwickeln.
  • Die Gräserpollen können zu einer allergischen Reaktion auf Erbsen, Kiwis, Soja, Tomaten und Wassermelone führen.

Bei Erwachsenen können aber auch plötzlich Symptome einer Allergie auftreten, ohne dass man ein Allergiker ist. Dabei handelt es sich um eine Pseudoallergie. Damit wird eine Überreaktion auf Lebensmittelzusatzstoffe bezeichnet, bei der der Körper den Entzündungsmediator Histamin freisetzt. Im Unterschied zu den Allergien, wo die Freisetzung von Histamin durch die Bindung von Allergenen an Antikörpern ausgelöst wird, findet bei der Pseudoallergie eine „willkürliche“ Entzündungsreaktion statt. Im Endeffekt verspürt der Betroffene allergieähnliche Symptome, ohne selbst allergisch zu sein. Hier ist eine Liste der möglichen auslösenden Substanzen in Lebensmitteln:

Ernährung umstellen bei Neurodermitis Tipps für Erwachsene und Kinder und Babys

  • Bestimmte Azofarbstoffe wie Tartrazin (auf der Packung mit E102 bezeichnet), der für die Färbung von Süßigkeiten verwendet wird.
  • Die Sorbinsäure (weitere Bezeichnung Hexadiensäure, auf Packungen als E 200 aufgelistet) gehört zu den Konservierungsstoffen, die in Fruchtaufstrichen, Gelierzucker, Margarine, Käse und einigen Würstchen enthalten sind.
  • Mononatriumglutamat (E 621). Konserven, verschiedene Instant-Gemüsesuppen oder pulverige Kartoffelpürees und fertige Salatdressings enthalten den Geschmacksverstärker.
  • Aspartam (E 951) ist oft in “zuckerfreien“ Getränken, Gelees, Obstkonserven, Brotaufstrichen und Marmeladen enthalten.

Was können Erwachsene bei Neurodermitis eigentlich essen und was nicht? Eine allgemeine Diät bei Neurodermitis gibt es leider nicht, aber es gibt einige Grundprinzipien, an die Sie sich halten können. So lassen sich die Symptome einigermaßen mildern:

1. Auf schlecht verträgliche Lebensmittel verzichten und diese durch gut verträgliche Nahrungsmittel ersetzen. Natürlich sollten Sie die Liste zuerst mit Ihrem Arzt besprechen.

Hier bieten wir Ihnen eine Tabelle mit den Lebensmitteln, die von Patienten mit Neurodermitis häufig schlecht vertragen werden, sowie ihre gesunde Alternative. Diese Tabelle sollte nur zur Orientierung dienen, denn mithilfe Ihres Arztes können Sie im Laufe der Zeit die Lebensmittel aussortieren, die wirklich einen Neurodermitis Schub auslösen und die Beschwerden verschlimmern können.

Lebensmittel im {berblick bei Allergien und Neurodermitis Tabelle

2. Das Essen selbst zubereiten. Nur so können Sie sicherstellen, dass die Gerichte wirklich frei von Konservierungs- und Farbstoffen sind, die für pseudoallergische Reaktionen schuld sind. Außerdem sind in vielen Fertiggerichten Spuren von Eiern, Milch usw. enthalten. Selbst in kleinen Mengen können sie eine allergische Reaktion bzw. einen Neurodermitis-Hautausschlag auslösen.

Ernährung bei Neurodermitis Salat mit Gurken und Garnelen zubereiten

3. Versuchen Sie den Verzehr von Lebensmitteln, die Histamin enthalten, zu reduzieren. Studien zufolge leidet ein Großteil der Patienten mit Neurodermitis auch an einer Histamin-Intoleranz. Histaminreiche Nahrungsmittel sind unter anderem gepökelte Wurstwaren, Produkte mit mariniertem oder gesalzenem Fisch, harte Käsesorten mit einer Reifezeit über 2 Monate.

gesunde Ernährung bei Neurodermitis wichtig wie umstellen Tipps für Erwachsene

4. Vermeiden Sie koffeinhaltige Getränke, wenn Sie gerade einen Hautausschlag haben. Sie können den Juckreiz verstärken. Diesbezüglich gibt es zahlreiche Ersatz-Varianten und Sie sollten lieber auf eine gesunde Alternative setzen.

5. Eine vegane Ernährung bei Neurodermatitis kann sich positiv auswirken. Ein wichtiger Grund, der dafür spricht, ist, dass Veganer auf Rohkost, Obst und Gemüse setzen. Wer sich dafür entscheidet, sollte aber einen Ernährungsplan erstellen und auf eine ausgewogene Diät achten. Diesbezüglich kann ein Ernährungsexperte helfen.

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