Pflegebedürftig: Einrichtungsfallen im häuslichen Umfeld

Autor: Olga Schneider

Eine Pflegebedürftigkeit stellt Betroffene vor große Herausforderungen. Der Alltag verändert sich und damit auch die Ansprüche an die Wohnumgebung. Erst mit der Zeit finden Personen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen heraus, welche Barrieren es gibt. Allerdings gibt es auch klassische Einrichtungsfallen im häuslichen Umfeld, die es zu vermeiden gilt. Wir verraten Ihnen heute, welche Stolperfallen zu Hause schlummern und wann sich ein barrierefreier Umbau lohnt.

Einrichtungsfallen im häuslichen Umfeld: Warum es so wichtig ist, das Wohnumfeld zu hinterfragen

Einrichtungsfallen im häuslichen Umfeld Wohnumfeld hinterfragen

Menschen, die lange Zeit in ihrem Haus oder ihrer Wohnung leben, sehen nicht immer die Problematiken, die sich durch eine zunehmende Pflegebedürftigkeit ergeben. Das liegt daran, dass eine unbeschwerte Zeit über viele Jahre in eben diesem Wohnumfeld möglich war. Schleichen sich körperliche Einschränkungen ein oder besteht bereits ein Pflegegrad, beispielsweise ein anerkannter Pflegegrad 3 oder mehr sind die Auswirkungen meist deutlich spürbarer. Jetzt heißt es, nicht in alte Muster zu verfallen, sondern aktiv das Wohnumfeld zu hinterfragen. Das hat gleich mehrere Vorteile. Zunächst gelingt es auf diese Weise, Barrieren abzubauen. Das Navigieren durch die Räumlichkeiten gelingt durch einige Anpassungen besser. Zudem können Hilfsmittel wie Rollatoren optimierter eingesetzt werden. Entscheiden sich Pflegebedürftige für Umbaumaßnahmen, kann das auch die Sturzgefahr minimieren. In vielen Fällen sehen sich pflegebedürftige Personen nämlich mit Gangunsicherheiten im Alltag konfrontiert. Nicht zuletzt gibt es natürlich das gute Argument, dass mit wenigen Anpassungen die Selbstständigkeit teilweise erhalten bleiben kann. Das ist auch wichtig für das Selbstwertgefühl und die Unabhängigkeit im Alltag.

Welche Einrichtungsfallen im häuslichen Umfeld gibt es?

Einrichtungsfallen zuhause Teppichkanten vermeiden

Sie erscheinen harmlos, können jedoch das Verletzungsrisiko entscheidend erhöhen: Einrichtungsfallen. Mit wenigen Handgriffen gelingt es, sie zu beseitigen.

1. Teppichkanten

Teppichkanten laden quasi zum Stolpern ein. Besonders kritisch wird es, wenn Pflegebedürftige ihre Füße nicht mehr vollständig anheben können. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Lähmungen bestehen. Die Verwendung von Gehhilfen kann die Sturzgefahr mit Blick auf Teppiche nochmals erhöhen. Im besten Fall werden Teppiche ganz aus dem Wohnraum entfernt.

2. Kabel

Elektronische Geräte sind vor allem in Wohnräumen beheimatet. Lampen, Fernseher und Co. können zu einem Kabelsalat führen. Sie sollten in einem Kabelkanal verstaut oder zumindest gebündelt und gut an die Seite gelegt werden.

3. Hohe Türschwellen

Einrichtungsfallen im Haus hohe Türschwellen vermeiden

Hohe Türschwellen haben den Nachteil, dass sie zur Stolperfalle werden können und das Passieren mit Gehhilfen erschweren. Befinden sie sich im Übergang zu jedem Raum, kann sich dadurch ein unübersichtliches Sturzrisiko ergeben.

4. Undurchdachtes Wohnkonzept

Einrichtungsfallen im häuslichen Umfeld undurchdachtes Wohnkonzept


Insbesondere im Alter und bei körperlichen Einschränkungen ist es wichtig, ein durchdachtes Wohnkonzept umzusetzen. Das bedeutet, dass Dinge für den alltäglichen Gebrauch leicht erreichbar sind. In der Küche sollten vielfach genutzte Teller beispielsweise nicht im obersten Schrank gelagert werden. Bei Gangschwierigkeiten ist es nötig, die Laufwege freizulassen. Beistelltischchen, Vasen und Co. machen ein Navigieren schwierig.

5. Unzureichende Lichtquellen

Lampen und Lichtschalter erleuchten dunkel gelegene Wohn- und Schlafräume. Sie können nachts betätigt werden, um einen sicheren Gang zur Toilette anzutreten. Bei Bedarf kann es notwendig sein, dass Sie an dieser Stelle nachrüsten. Besonders empfehlenswert sind Bewegungsmelder, die an eine Lichtquelle gekoppelt wurden. Diese schalten sich automatisch an und aus.

Umbaumaßnahmen als Hilfestellung

Umbauarbeiten zuhause für pflegebedürftige Personen

Wenn die Pflegebedürftigkeit zunimmt, reichen einfache Maßnahme nicht mehr aus, um den Alltag gut bewältigen zu können. In dem Fall bieten sich Umbaumaßnahmen an. Sie können entscheidend dazu beitragen, Barrieren abzubauen und die Eigenständigkeit zu erhalten.

● Umbaumaßnahmen an Treppen: Die Bewältigung von Treppen ist eine große Herausforderung für Pflegebedürftige. Haltegriffe im Außenbereich helfen dabei, Gangunsicherheiten zu meistern. Wenn das Treppensteigen nicht mehr möglich ist, bieten sich Rampen im Außenbereich an. Somit können Sie auch mit Ihrem Rollator Ihr Haus sicher betreten und verlassen. Im Innenbereich können Treppenlifte verbaut werden.

Umbaumaßnahmen als Hilfe für pflegebedürftige Personen



● Umbaumaßnahmen im Badezimmer: Hier ist besondere Vorsicht geboten, schließlich spielen sich viele Unfälle im Badezimmer ab. Kein Wunder, denn hier ist auch Nässe im Spiel. Eine erhöhte Toilette, eine ebenerdige Dusche, Haltegriffe in der Badewanne sowie am WC und womöglich ein Badelift vereinfachen Hygienemaßnahmen.

● Umbaumaßnahmen in Wohnräumen: In Wohnräumen spielt sich ein Großteil des Lebens ab. Neben der Beseitigung von Stolperfallen können hier eine Verbreiterung der Türen und ein Einebnen der Türschwellen sinnvoll sein.

So beantragen Sie einen Zuschuss für Umbaumaßnahmen

Zuschuss für Umbaumaßnahmen beauftragen wie

Für Umbaumaßnahmen müssen Pflegebedürftige häufig tief in die Tasche greifen. Verständlicherweise ist die Sorge groß, wenn es um die Erbringung der Kosten geht. Glücklicherweise gibt es mehrere Stellen, an die Sie sich wenden können. Erfüllen Sie die Voraussetzungen, bekommen Sie einen Zuschuss, mit dem sich die Umbaumaßnahmen finanzieren lassen. Beispielsweise stellt die Pflegekasse 4000 Euro für Umbaumaßnahmen bereit, damit Sie Ihr Wohnumfeld an die neue Pflegesituation anpassen können. Dafür stellen Sie einen Antrag, der daraufhin auf Plausibilität geprüft wird. Wenn Sie auch nach Eintreten der Pflegebedürftigkeit Ihren Arbeitsplatz behalten können, kann das Integrationsamt womöglich behilflich sein. Mit Blick auf „begleitende Hilfen im Arbeits- und Berufsleben“ springt es ein, um Ihren Job trotz Pflegebedürftigkeit zu sichern. Sozialhilfeträger in vielen Bundesländern und Kommunen haben ein Budget für Förderprogramme. Am besten erkundigen Sie sich vor Ort, ob es Gelder gibt, um barrierefreies Wohnen zu unterstützen. Allerdings wird hier ein besonderes Augenmerk auf Ihr Vermögen gelegt. Schließlich sollen nur wirklich Bedürftige die Leistungen erhalten. Eine weitere Alternative ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW-Bank). Auch sie kann einen Zuschuss für den barrierefreien Umbau genehmigen.

Lassen Sie sich am besten beraten

Die Entscheidung für einen Umbau im häuslichen Umfeld fällt nicht immer leicht. Viele Städte und Kommunen bieten Wohn-Beratungsstellen an. Seniorenbüros haben ebenfalls Informationen zu dem wichtigen Thema.

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