Muss man Gurken ausgeizen oder nicht? Wir erklären die Vorteile und geben Anleitungen und Tipps

Von Anne Seidel

Viele Anfänger in Sachen Garten erschrecken, wenn sie manch neue Fachbegriffe zu diesem Thema hören und trauen sich dadurch nicht an einige Gemüsesorten. Das Ausgeizen ist so eines dieser Begriffe, dabei handelt es sich hierbei um eine einfache Pflegemaßnahme, die selbst Anfänger nicht fürchten müssen. Oder vielleicht kennen Sie das ja bereits von den Tomaten, wussten aber nicht, dass das Auslichten auch bei Gurkenpflanzen durchführbar ist? Aber muss man Gurken ausgeizen oder nicht unbedingt? Wir erklären, worum es sich überhaupt handelt, warum es vorteilhaft ist und wie genau Sie vorgehen.

Warum man Gurkenpflanzen auslichten sollte

Muss man Gurken ausgeizen oder nicht - Tipps und Tricks für Anfänger

Bei den sogenannten Geiztrieben handelt es sich um Seitentriebe an der Pflanze, die aus den Blattachseln wachsen. Sie sind üblicherweise nicht fruchttragend und falls doch (wie beispielsweise im Falle der Tomaten), fallen Größe und Menge der Früchte geringer aus und das nicht nur an diesen Seitentrieben, sondern auch an der Hauptpflanze. Das liegt ganz einfach daran, dass die Pflanze eine größere Pflanzenmasse mit Nährstoffen versorgen muss. Aber nicht nur das: Mehr Verzweigungen bedeuten auch mehr Blätter und andere Pflanzenteile, die Schatten werfen. So kann nicht mehr so viel Sonnenlicht eindringen, was sich natürlich auch auf die Qualität und Quantität der Früchte auswirkt. Feuchtigkeit verdunstet außerdem langsamer, was das Risiko für Pilzerkrankungen erhöht.

Das Ausgeizen von Gurken garantiert eine ununterbrochene Ernte

Wenn Sie also die Gurke ausgeizen, bleibt die Hauptpflanze kräftiger, was größere und schmackhaftere Früchte zur Folge hat. Die Pflanze wird unter Kontrolle gehalten, was gerade dann sehr wichtig und vorteilhaft ist, wenn man sie an einer Rankhilfe hochzieht.

Gurken ausgeizen – Anleitung

Gleicher Begriff, unterschiedliche Vorgehensweise – es ist nicht ganz so wie bei den Tomaten. Während das Auslichten bei ihnen in etwa jede Woche wiederholt werden sollte, ist es bei der Gurkenpflanze nur einmal notwendig. Üblicherweise werden nur Gurkenpflanzen ausgelichtet, die an einer Kletterhilfe emporwachsen, jedoch können auch frei wachsende Gurkenpflanzen davon profitieren (dann aber häufiger):

Gurkenpflanzen mit Rankhilfe

Die unteren Quertriebe

  • Sie können Gurken ausgeizen, indem Sie die unteren Seitentriebe bis auf etwa 60 Zentimeter über dem Boden entfernen. Auch Knospen knipsen Sie dabei ab. Solange diese Pflanzenteile noch jung und zart sind, können Sie das mit den Fingern tun. Ältere Triebe sind zäher und werden besser mit einer Gartenschere abgeschnitten.
  • Zweck dieser Auslichtung ist es, die Bildung von Gurkenfrüchten zu verhindern, die aufgrund der niedrigen Höhe auf dem Boden liegen würden. Fäule durch die Bodenfeuchte und einem Schädlingsbefall von Ungeziefer, das sich auf dem Boden befindet, wird dadurch vorgebeugt und das Gießen, ohne die Pflanze zu befeuchten, wird einfacher.

Die Spitze der Gurkenpflanze

  • Auch die Pflanzenspitze können Sie dann kappen, um den Wuchs in die Höhe zu verhindern.

Ausgeizen von Gurken ohne Rankhilfe

Gurken ausgeizen, um Pilzerkrankungen durch Feuchtigkeit vorzubeugen

Geizen Sie die Pflanzen ohne Kletterhilfe regelmäßiger aus. Sie können zu diesem Zweck immer mal wieder einige Seitentriebe abschneiden, z. B. wenn Sie gerade dabei sind, die Gurken zu gießen oder aber zu ernten. Das sollten Sie deshalb tun, da die Pflanze natürlich geschwächt wird, wenn sie immer weiter austreibt. Halten Sie sie kompakt, können Sie sich über eine ununterbrochene Ernte die ganze Saison über freuen. Gehen Sie so vor:

Setzen Sie einen richtigen Schnitt, um Pflanzenkrankheiten zu vermeiden


  • Überprüfen Sie die Pflanze auf Gürkchen. Haben sich an einem Trieb zwei Früchte und zwei Blätter gebildet, können Sie diesen Seitentrieb abknipsen.
  • Verfolgen Sie außerdem diese Seitentriebe, bevor Sie sie kürzen. Falls diese ebenfalls neue Triebe erhalten und Früchte gebildet haben, können Sie die Triebspitze über der ersten Gurke und dem ersten Blättchen schneiden.
  • Achten Sie beim Kappen der Seitentriebe unbedingt darauf, dass Sie nicht versehentlich den Haupttrieb abschneiden!

Wie schneidet man Gurkenpflanzen ohne Kletterhilfe

Hinweis: Theoretisch können Sie Freilandgurken auch willkürlich wachsen lassen, solange der vorhandene Platz es zulässt (gehen Sie sicher, dass sie keine anderen Pflanzen überwachsen und somit stören). Bedenken Sie jedoch, dass in diesem Fall auch ein paar Erntepausen eintreten könnten und düngen Sie sie angemessen. Die unteren Seitentriebe entfernen Sie aber dennoch, wie weiter oben beschrieben, aus den bereits erwähnten Gründen.

Im Gewächshaus

Gurken ausgeizen im Gewächshaus für einen kompakteren Wuchs


Wer schon einmal Gurkenpflanzen kultiviert hat, ohne sie auszugeizen, weiß bereits, dass sie eine recht imposante Größe erhalten können. Das ist in einem Gewächshaus, wo der Platz eher begrenzt ist, natürlich weniger praktisch. Dort macht es Sinn, lediglich ein bis zwei Triebe der Pflanze hoch wachsen zu lassen und sämtliche anderen Nebentriebe regelmäßig zu entfernen.

Worauf Sie noch achten sollten

Gurken ausgeizen an einer Rankhilfe - Untere Seitentriebe entfernen

Wichtig ist, dass Sie die Haupttriebe Ihrer Pflanzen nicht zu sehr verletzen, wenn Sie die Gurken ausgeizen. Schnittwunden sind natürlich unumgänglich, jedoch ist es besser, diese kleinzuhalten, also die Schnitte in einer möglichst zeitigen Wachstumsphase des neuen Triebs durchzuführen, wenn sie noch zart und dünn sind. Sind die Triebe bereits dicker, verwenden Sie unbedingt eine scharfe Schere (idealerweise desinfiziert) und schneiden Sie gerade. Bedenken Sie, dass Risswunden die ideale Voraussetzung für das Eindringen von Krankheitserregern wie Schimmelsporen darstellen.

Wenn Sie Gurkenpflanzen auslichten, werden sie mit mehr Licht versorgt

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