Herbizid-Effekte: Unkrautvernichter im Boden führen zu mehr antibiotikaresistenten Bakterien

Autor: Ramona Berger

Unkrautvernichter könnten antibiotische Medikamente weniger wirksam machen, warnt eine neue Studie. Während Herbizide in der Landwirtschaft häufig zur Unkrautbekämpfung eingesetzt werden, können sie laut Wissenschaftlern Schäden an Bodenmikroben wie Bakterien und Pilzen verursachen, wodurch sich die ökologischen Eigenschaften der mikrobiellen Gemeinschaften möglicherweise verändern.

Die Forscher fanden heraus, dass Mutationen, die die Überlebensfähigkeit und das Wachstum von Bakterien trotz Herbiziden verbesserten, sie auch toleranter gegenüber Antibiotika machten. Die Herbizid-Exposition führte auch dazu, dass die Bakterien häufiger Antibiotika-Resistenzgene untereinander weitergaben.

Herbizide sind eine der am häufigsten verwendeten Chemikalien in der Landwirtschaft

Die Studie, die von Forschern der Universität York geleitet wurde, untersuchte Felder in Großbritannien und 11 chinesischen Provinzen. Die Forscher befürchten, dass Acker, die mit Herbiziden behandelt wurden, zu den besorgniserregenden Niveaus von antibiotikaresistenten Infektionen beim Menschen beitragen könnten. Selbst sehr geringe Mengen gängiger Unkrautvernichtungsmittel wie Glyphosat, Glufosinat und Dicamba führten zu einer erhöhten Antibiotikaresistenz.

Biologen sagen, dass Risikobewertungen oft nicht die Auswirkungen von Herbiziden auf Bodenbakterien über einen langen Zeitraum hinweg berücksichtigen.

Die Verwendung von Unkrautvernichtern kann die Prävalenz antibiotikaresistenter Bakterien im Boden erhöhen

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Einsatz von Herbiziden indirekt die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen in landwirtschaftlichen Bodenmikrobiomen vorantreiben könnte, die bei der Unkrautbekämpfung wiederholt Herbiziden ausgesetzt sind“, sagt Dr. Ville Friman vom Fachbereich Biologie der Universität in einer Stellungnahme. „Interessanterweise wurden Antibiotikaresistenzgene bei Herbizidkonzentrationen begünstigt, die für Bakterien nicht tödlich sind. Dies zeigt, dass bereits sehr geringe Mengen an Herbiziden die genetische Zusammensetzung von Bodenbakterienpopulationen signifikant verändern können.“

Herbizide sollen Unkrautwachstum auf Ackern vorbeugen

„Solche Effekte werden derzeit von ökotoxikologischen Risikobewertungen übersehen, die die evolutionären Folgen einer längeren Anwendung von Chemikalien auf der Ebene der mikrobiellen Gemeinschaften nicht berücksichtigen“, fährt er fort. „Antibiotikaresistenzgene sind zwar nicht per se schädlich, aber sie verringern die Effizienz von Antibiotika bei klinischen Behandlungen. Wenn die Häufigkeit von Resistenzgenen niedrig gehalten wird, verlängert sich somit die Langzeitwirksamkeit von Antibiotika. Da sich Resistenzgene leicht zwischen Umgebungen bewegen können, könnten landwirtschaftliche Felder weltweit eine wichtige Quelle für Resistenzgene sein.“

Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Molecular Biology & Evolution veröffentlicht.

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