Einsatz von Antibiotika ist in städtischen Gebieten intensiver

Autor: Charlie Meier

Für die meisten Stadtbewohner ist der Einsatz von Antibiotika größer als bei Menschen in ländlichen Gebieten. Kinder und ältere Personen benutzen außerdem auch derartige Medikamente häufiger als junge Erwachsene. Der Einsatz von Antibiotika nimmt mit zunehmender Bildung ab, jedoch nur in reichen Ländern. Dies sind drei der auffälligsten Trends, die Forscher des NRW-Forschungskollegs "One Health and Urban Transformation" an der Universität Bonn in einer aktuellen Studie identifiziert haben.

Einsatz von Antibiotika in der Gesellschaft

diverse medikamente gegen viren mit wasser einnehmen

Die Forscher bewerteten 73 Veröffentlichungen zum Einsatz von Antibiotika im ambulanten Bereich weltweit. Das Thema ist von großer Bedeutung. Ärzte verschreiben zur Zeit noch zu viele antibiotische Arzneimittel. Mögliche Folgen zeigen sich höchstwahrscheinlich in Form einer Resistenz der Bakterien. Gegen einige Viren gibt es bereits kaum wirksame Medikamente. Die Studie werden die Wissenschaftler bald im International Journal of Hygiene and Environmental Health veröffentlichen. Diese ist jedoch bereits online verfügbar.

Die meisten Patienten nehmen also oft Antibiotika ein, ohne dass ihre Krankheit einen Krankenhausaufenthalt erfordert. In Deutschland machen diese Fälle etwa 85 Prozent aller Verschreibungen aus. EU-weit ist die Rate sogar etwas höher. Welche Faktoren fördern aber den Einsatz von Antibiotika im ambulanten Gesundheitsbereich? Wissenschaftler interessieren sich seit einiger Zeit für diese Frage. Es ist weitgehend unbestritten, dass insgesamt zu viele davon als Gegenmittel eingesetzt werden. Dies fördert die Entwicklung von Resistenzen und stellt somit sicher, dass diese Waffen, die tatsächlich die schärfsten Werkzeuge gegen bakterielle Infektionen sind, allmählich abgestumpft werden.

Die aktuelle Studie fasst den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema zusammen. Die beteiligten Wissenschaftler bewerteten insgesamt 73 Veröffentlichungen zu den treibenden Faktoren des Konsums von Antibiotika in der Allgemeinbevölkerung. "Wir haben uns nicht nur für einzelne Parameter wie Alter oder Bildung interessiert, sondern auch für geografische Kontexte und soziokulturelle Faktoren." Dies erklärt Dennis Schmiege, der an der Universität Bonn (Zentrum für Entwicklungsforschung [ZEF]) promoviert.

Studienergebnisse

kind wird von ärztin stetoskop untersucht

Zusammen mit seinem Kollegen: Timo Falkenberg, bewertete Dennis fast 600 Variablen und ordnete sie in etwa 45 Gruppen ein. In dem Übersichtsartikel wird für jede der Gruppen aufgeführt, ob sie nach den aktuellen Erkenntnissen als potenziell beeinflussende Faktoren anzusehen sind. Es gibt relativ gute Hinweise darauf, dass Kinder und Senioren häufiger Antibiotika einnehmen als Menschen mittleren Alters. Im Gegensatz dazu wirkt sich ein höheres Bildungsniveau tendenziell einschränkend aus. In ärmeren Ländern ist diese Assoziation jedoch umgekehrt - "wahrscheinlich, weil es dort wahrscheinlicher ist, dass gut ausgebildete Menschen entweder Zugang zum Gesundheitssystem haben oder es sich leisten können, überhaupt einen Arzt aufzusuchen oder ein Medikament zu kaufen", nimmt Schmiege an.

Unter den geografischen Parametern fällt die Diskrepanz zwischen städtischen und ländlichen Gebieten auf: Mehrere Veröffentlichungen zeigen, dass der Einsatz von Antibiotika in städtischen Gebieten höher ist. "Wir vermuten, dass dies etwas mit einem besseren Zugang zu Arztpraxen und Apotheken zu tun hat", erklärt Schmiege. Die Konzentration der Ärzte scheint in der Tat auch einer der treibenden Faktoren zu sein. Im Gegensatz dazu reduzieren höhere Arzneimittelpreise die Menge der verkauften Antibiotika.

einsatz von antibiotika ärzte verabreichen

Es gibt noch vergleichsweise wenig Forschung darüber, welche soziokulturellen Parameter den Einsatz von Antibiotika fördern. Die nationale Kultur scheint einen gewissen Einfluss zu haben: Beispielsweise verwenden Bürger "männlicher" Gesellschaften, die als wettbewerbsfähiger gelten, im Durchschnitt mehr Antibiotika. Ähnlich ist die Situation in Gesellschaften, die traditionell als Vermeidung von Unsicherheit angesehen werden. "Insgesamt sehen wir jedoch immer noch einen klaren Forschungsbedarf in diesem Bereich", betont Dennis Schmiege.

An anderer Stelle zeigt die Studiensituation auch ein deutliches Ungleichgewicht: Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen sind im Vergleich zu Ländern mit höherem Einkommen deutlich unterrepräsentiert. Dies ist ein weiterer Punkt der Studie, zu dessen Behebung künftige Forschungsprojekte nach Ansicht des Wissenschaftlers beitragen sollten.




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