Die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln könnte diese Nebenwirkungen verursachen!

Autor: Ramona Berger

Manchmal passiert es, dass Ihnen am Ende des Tages der Kopf brummt. Oder dass Sie sich beim Joggen den Knöchel verdrehen. Oder dass Sie starke Schmerzen während der Periode haben. Wenn Sie, wie viele Menschen, was gegen Schmerzen nehmen möchten, greifen Sie vielleicht sofort zu einem rezeptfreien Schmerzmittel wie Ibuprofen. Laut einer Statista-Umfrage vom Jahr 2017 berichten insgesamt 11 Prozent der Befragten über eine regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln und zwar mehrmals die Woche. Hinzu kommt, dass Ärzte während der Coronavirus-Pandemie von einer steigenden Anwendung von Schmerzmitteln berichten, da sich die Menschen für eine Selbstbehandlung entscheiden, um eine mögliche Virusbelastung zu vermeiden.

Viele Menschen greifen zu einem rezeptfreien Mittel, auch weil sie nicht in die Arztpraxis gehen wollen. In der Tat berichtet NDR, dass die Zahl der Facharzt-Besuche massiv zurückgegangen ist. 30 bis 50 Prozent der Deutschen haben den Besuch bei einem Kardiologen oder Onkologen aufgrund von Bedenken wegen COVID-19 verzögert oder vermieden. Bei Zahnärzten liegt der Rückgang bei 80 Prozent.

regelmäßig schmerzmittel einzunehmen ist schädlich

Obwohl Schmerzmittel hilfreich sein können, wenn sie wie vorgeschrieben verwendet werden, machen sich viele von uns nicht die Mühe, die Packungsbeilage zu lesen oder sich an die Dosierungshinweise des Herstellers zu halten. Eine Studie vom Januar 2018 in Pharmacoepidemiology & Drug Safety legt nahe, dass 15 Prozent der Benutzer von OTC-Schmerzmitteln wie Ibuprofen die empfohlene Höchstdosis innerhalb einer Woche überschreiten.

Menschen denken, dass diese Arzneimitteln harmlos sind, da sie günstig und leicht erhältlich sind. In anderen Ländern, z.B. in den USA, kann man sie teils auch in Lebensmittelgeschäften oder an der Tankstelle kaufen. Diese leichte Zugänglichkeit könnte dazu führen, dass man annimmt, dass es nicht gefährlich ist, wenn man sich nicht genau an die Anweisungen hält. Doch welche Gefahren die regelmäßige Einnahme von rezeptfreien Schmerzmitteln birgt, erklären wir im Folgenden.

Was genau sind rezeptfreie Schmerzmittel?

Ibuprofen gegen Kopfschmerzen dauerhaft schädlich

Die meisten Schmerzmittel, die Sie in der Apotheke sehen, gehören zu einer Klasse von Medikamenten, die als nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) bezeichnet werden. Das englische Akronym lautet NSAIDs und steht für “Nonsteroidal anti-inflammatory drugs”. NSAR sind die am häufigsten verordneten Arzneimitteln der Welt und umfassen unter anderem Ibuprofen, Aspirin, Naproxen, Diclofenac und Ketoprofen. (Paracetamol ist kein NSAR.) NSAR haben drei Haupteigenschaften: Sie lindern Schmerzen, Entzündungen und Fieber.

Für die Selbstmedikation sind die nichtsteroidalen Antirheumatika nur für eine Kurzzeitbehandlung zugelassen. Mit anderen Worten: Sie sollen sie für einen kurzen Zeitraum einnehmen, während Sie Beschwerden haben, und dann aufhören, sobald Sie sich erholt haben. Diese Medikamente sind im Allgemeinen sicher und wirksam, solange sie innerhalb der empfohlenen Dosierung und des auf der Packung angegebenen Zeitraums eingenommen werden.

Die maximale Tagesdosis von Ibuprofen für Erwachsene in der Selbstmedikation liegt bei 1200 mg. Alle 4 bis 6 Stunden werden ein bis zwei 200 mg Tabletten eingenommen. Die Packungsbeilage weist den Patienten darauf hin, dass das Medikament nicht länger als 4-5 Tage ohne ärztlichen Rat einzunehmen ist.

Trotzdem ist es üblich, dass Menschen nicht auf diese Anwendungshinweise achten. Aber der Grund, warum man die Menge und die Dauer begrenzen soll, ist, dass keine Medikamente, einschließlich NSAR, harmlos sind – je mehr und je länger Sie es einnehmen, desto größer ist Ihr Risiko.

Schmerzmittel können Darmblutungen verursachen

schmerzmittel regelmäßige einnahme kann geschwüre und blutungen verursachen

Laut einer Metaanalyse von Beobachtungsstudien, die 2013 im “Deutschen Ärzteblatt” veröffentlicht wurde, führen NSAR zu einer drei- bis fünffachen Erhöhung des Risikos für Komplikationen im oberen Gastrointestinaltrakt. Die Hauptnebenwirkung von vielen nichtsteroidalen Atnirheumatika sind Geschwüre (Blutungen im Magen oder Verdauungstrakt).

Um Entzündungen und Schmerzen zu lindern, reduzieren NSAR Prostaglandine, hormonähnliche Substanzen, die die Magenschleimhaut schützen und dadurch unter anderem der Bildung von Geschwüren vorbeugen. Niedrige Prostaglandinspiegel erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Darmblutungen.

Wenn Sie Magenbeschwerden oder Schmerzen haben, sich schwach fühlen, Blut erbrechen oder Ihr Stuhl sich schwarz verfärbt, sollten Sie die Einnahme von NSAR abbrechen und einen Arzt aufsuchen – dies sind häufige Symptome von Darmblutungen. Oft reicht es aus, das Arzneimittel abzusetzen, um das Geschwür loszuwerden, aber wenn es eine Komplikation gibt, brauchen Sie vielleicht andere Medikamente, wie einen Magensäureblocker, um es zu heilen.

Bestimmte Gruppen haben ein höheres Risiko für die Entwicklung von Geschwüren. Wenn Sie älter als 65 sind, eine Vorgeschichte mit Geschwüren haben, Blutverdünner oder Kortikosteroide einnehmen oder regelmäßig Alkohol trinken, fragen Sie Ihren Arzt, bevor Sie ein NSAR einnehmen. Das Risiko einer Darmblutung ist gering, wenn Sie NSAR nur zeitweise einnehmen.

Übrigens warnt die U.S. Food and Drug Administration (FDA) vor der Einnahme von NSAR, wenn Sie eine allergische Reaktion auf ein Schmerzmittel oder Fiebersenker hatten sowie direkt vor oder nach einer Herzoperation.

Die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln erhöht das Risiko von einem Herzinfarkt oder Schlaganfall

Die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln erhöht das Risiko von einem Herzinfarkt oder Schlaganfall


Mit Ausnahme von Aspirin können NSAR-Medikamente Ihr Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall innerhalb weniger Wochen erhöhen, obwohl es nicht klar ist, warum dies geschieht. Ihr Risiko kann laut der FDA steigen, je länger Sie NSAR verwenden. Zu den Symptomen einer NSAR-induzierten Herzinsuffizienz oder eines Schlaganfalls gehören Brustschmerzen, Atembeschwerden, plötzliche Schwäche in einem Bereich Ihres Körpers und Sprachstörungen.

Außerdem bestätigt eine Studie vom August 2014 im American Family Physician, dass Ibuprofen zu Bluthochdruck führt. Wenn Sie NSAR über einen längeren Zeitraum einnehmen, führen sie dazu, dass Ihr Körper Natrium und Salz zurückhält, was Ihren Blutdruck in die Höhe treiben kann. Deshalb ist es wichtig, die niedrigste Dosis für die kürzeste Zeit zu nehmen, um Ihre Schmerzen zu lindern, und Schmerzmittel so selten wie möglich zu verwenden.

Die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln kann zu Nierenschäden führen

schmerzmittel dauerhaft kann zu nierenproblemen führen

Wenn man Schmerzmittel über längere Zeit missbraucht, sind die Nieren oftmals betroffen.

Da NSAR die Prostaglandin-Synthese hemmen, kann die Einnahme auf Dauer zu Nierenversagen führen. Dies kann auf verschiedene Arten geschehen, einschließlich einer schlechten Durchblutung der Nieren, einer akuten allergischen Reaktion auf das Schmerzmittel, die sich in den Nieren manifestiert, und der Minimal Change Disease (MCD), einem Syndrom, bei dem Eiweiß im Urin ausgeschieden wird. Aber das ist noch nicht alles.

NSAR können auch einen zugrundeliegenden Bluthochdruck verschlimmern, der akute und chronische Schäden an der Niere verursachen kann. Unabhängig davon können NSAR bei Menschen mit kardiovaskulären Problemen Flüssigkeitsansammlungen und Schwellungen verursachen, die toxisch für die Nieren sein können.

Eine Nierenschädigung kann sich in Beinschwellungen, vermindertem Wasserlassen und Blut im Urin äußern – die meisten Menschen sind jedoch asymptomatisch. Unglücklicherweise ist eine Nierenerkrankung eine stille Krankheit, und die einzige Möglichkeit, sie zu identifizieren, ist eine Blutuntersuchung.

Und während der Schwangerschaft sollte man zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen treffen. In einem FDA-Bericht vom Oktober 2020 wurde festgestellt, dass die Einnahme von NSAR um die 20. Schwangerschaftswoche oder später seltene, aber ernsthafte Nierenprobleme bei einem ungeborenen Kind verursachen könnte, was zu einer niedrigen Fruchtwassermenge, das das Baby umgibt, und zu möglichen Komplikationen in der Zukunft führt.

Schmerzmittel können Ihnen mehr Kopfschmerzen bereiten

regelmäßig schmerztabletten noch mehr kopfschmerzen


Das könnte Sie überraschen, aber die häufige Einnahme von Schmerzmitteln kann die sogenannten Kopfschmerzen durch Medikamentenübergebrauch (MOH) auslösen.

Eine Studie vom Juli 2017 in Pain Reports bestätigte, dass MOH 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung betrifft und durch die Verwendung von NSAR oder Paracetamol an 10 oder mehreren Tagen im Monat verursacht werden kann, obwohl nicht klar ist, warum.

Die tägliche Einnahme von Analgetika deutet darauf hin, dass es einen Schmerz gibt, der nicht behandelt wird. Sie müssen untersuchen, warum Sie diese Medikamente überhaupt so häufig einnehmen müssen.

Überdosieren Sie versehentlich die Schmerzmittel?

Schmerzmittel soll man nicht jeden Tag ohne ärztlicher Aufsicht nehmen

OK, also wenn Sie sich nun denken: “Ich nehme niemals mehr Tabletten als empfohlen ein”, warten Sie eine Sekunde. Die Studie “Pharmacoepidemiology & Drug Safety” legt nahe, dass 37 Prozent der Befragten während der Woche mehrere Formen von Schmerzmitteln einnehmen – doch weniger als die Hälfte dieser Menschen war sich bewusst, dass es sich bei allen Produkten um NSAR-Medikamente handelt.

Die gleichzeitige Einnahme von mehr als einer Art von NSAR-Medikamenten erhöht das Risiko von Nebenwirkungen. Viele Menschen haben Probleme, weil sie Ibuprofen zusätzlich zu Aspirin oder einer anderen Form von NSAR nehmen. Viele Kombipräparate gegen Husten und Grippe enthalten ebenfalls ein schmerzlinderndes Mittel als Bestandteil. Ärzte berichten über eine Erhöhung der schmerzmittelbedingten Magengeschwüren im Januar, vermutlich, weil die Leute kombinierte Grippe- und Erkältungsmittel nehmen.

Machen Schmerzmittel süchtig?

können schmerzmittel süchtig machen

Die kurze Antwort: Nicht wirklich.

Sie werden nicht die Art von Abhängigkeit entwickeln, die wir von Opioiden kennen, durch die man süchtig wird und Entzugserscheinungen hat, wenn man die Einnahme beendet. Allerdings ist es üblich, dass Profisportler, wie z.B. Fußballspieler, Schmerzmittel missbrauchen.

Wenn ein Sportler so verletzt ist, dass er aufgrund von Schmerzen nicht mehr hohe Leistungen bringen kann, nimmt er möglicherweise hohe Dosen von Analgetika ein, um den Schmerz zu betäuben und seine Leistung zu verbessern.

Also, wie schlimm ist es wirklich, Schmerzmittel auf Dauer zu sich zu nehmen?

die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln kann gefährlich sein

Solange Sie Schmerzmittel unter ärztlicher Aufsicht einnehmen, ist es wahrscheinlich in Ordnung (unter Umständen kann der Arzt die doppelte Dosis von einem verschreibungspflichtigen NSAR-Medikament verschreiben). Es gibt Menschen, die jeden Tag ein Schmerzmittel einnehmen. Aber die chronische Anwendung muss von einem Arzt überwacht werden, um das Risiko einer unerwünschten Nebenwirkung zu reduzieren. Wenn Sie die regelmäßige Einnahme nicht mit Ihrem Arzt besprochen haben, dann ist es ziemlich gefährlich, die Schmerzmittel dauerhaft einzunehmen.

Es wird empfohlen, dass Sie auf jeden Fall innerhalb von ein paar Tagen einen Arzt für eine Blutuntersuchung aufsuchen, da es so viele mögliche Nebenwirkungen gibt. Außerdem deutet die tägliche Einnahme von schmerzlindernden Arzneimitteln darauf hin, dass es einen Schmerz gibt, der nicht behandelt wird. Sie müssen herausfinden, warum Sie diese Medikamente überhaupt so häufig einnehmen müssen.

Referenz: Arzneimittelkommision der deutschen Ärzteschaft, Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) im Vergleich

Anzeige



Bild einbetten

Code kopieren, um das Bild einzubetten: Großes Bild: Kleines Bild: BB-Code:
Fertig