Langzeitfolgen durch Corona Impfung: Mythen & reale Fakten über die Wirkung des Impfstoffs

Von Anne Seidel

Wenn es eine Sache gibt, die derzeit ganz besonders die Meinungen stark spaltet, Zweifel und Misstrauen weckt und die Menschen unsicher macht, dann ist es wohl die Impfung gegen das Covid-19-Virus – unabhängig von der Art des Impfstoffs. Während die einen sich sicher sind, dass die Impfstoffe Ihre Aufgabe erfüllen und notwendig sind, trauen sich andere nicht und fürchten sich vor noch unerforschten Langzeitfolgen durch Corona Impfung. Wir haben einmal einige der häufigsten Mythen und was die Wissenschaft dazu zu sagen hat für Sie zusammengefasst.

Langzeitfolgen durch Corona Impfung – Mythen vs. wissenschaftliche Fakten

1. Die mRNA Impfung verändert die DNA

Langzeitfolgen durch Corona Impfung soll eine veränderte DNA sein

Wie Sie wissen, nutzen die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna die sogenannte mRNA-Technologie. Vielen Menschen macht es Sorgen, dass diese Technologie imstande sein könnte, die DNA des Menschen zu beeinflussen. Wie genau funktioniert diese Technologie? Im Impfstoff ist ein winziger Ausschnitt des Viruscodes enthalten, der dem Immunsystem Informationen über das Virus geben soll, damit dieser ihn im Falle einer Infektion sofort erkennen und bekämpfen kann. Doch warum sind Langzeitfolgen durch Corona Impfung in Bezug auf eine veränderte DNA nicht möglich?

Wie der mRNA-Impfstoff wirkt

Langzeitfolgen durch Corona Impfung - Mythen und wissenschaftliche Fakten, die dagegen sprechen

Der Code gelangt zwar in die Körperzellen, und genauer gesagt ins Zytoplasma. Dort wird der Impfstoff in das Spike-Protein des Coronavirus umgewandelt. Jedoch gelangt er nicht in den Zellkern, wo sich die DNA befindet. Die Zellen zerfallen außerdem gleich, nachdem sie die Anweisungen des Impfstoffs „verstanden und  umgesetzt haben“. Der Körper beseitigt also das mRNA.

Peter Hotez, Dekan der National School of Tropical Medicine am Baylor College of Medicine und Co-Direktor des Texas Children’s Hospital Center for Vaccine Development erklärt: „Deshalb haben wir Biologie an der High School studiert. Wir haben gelernt, dass die Zelle einen Zellkern und ein Zytoplasma hat und die DNA im Zellkern ist“, sagt Hotez. „[Die mRNA] geht nicht in den Zellkern“, also kann sie Ihre DNA nicht verändern.

2. Langzeitfolgen durch Corona Impfung – Beeinflusst sie die Fruchtbarkeit negativ?

Eine der Langzeitfolgen durch Corona Impfung soll Unfruchtbarkeit sein - Was dagegen spricht

Bereits zu Beginn betonten viele diese potenziellen Nachwirkungen durch die Covid Impfung – eine der angeblichen Langzeitfolgen durch Corona Impfung, die junge Menschen besonders sorgt. Doch Nachweise dafür, dass dies tatsächlich der Fall ist, gibt es nicht. Es gibt sogar Empfehlungen, sich noch vor geplanter Schwangerschaft impfen zu lassen, um Antikörper zu bilden und diese als Schutz an das Baby weiterzugeben. Frauen, die an klinischen Studien teilgenommen haben, konnten nach der Impfung schwanger werden.

Frauen haben berichtet, dass sich nach der Immunisierung mit Corona-Impfstoffen der Zyklus vorübergehend veränderte. Ob dies aber tatsächlich damit in Verbindung steht, ist nicht sicher. Schließlich lässt sich die Menstruation durch viele alltägliche Dinge beeinflussen, darunter unter anderem Stress.

3. Die Covid-19-Impfstoffe verursachen Fehlgeburten

Vermutete Langzeitfolgen durch Corona Impfung bei Schwangerschaft und Stillen


Ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten wurde bereits für Frauen festgestellt, die sich während der Schwangerschaft mit dem Virus infizierten. „Tatsächlich wissen wir, dass schwangere Frauen mit COVID-19-Infektionen ein höheres Risiko haben, eine Fehlgeburt zu erleiden oder vorzeitige Wehen zu bekommen, was ein Grund mehr ist, sich impfen zu lassen“, sagt Dr. Cunningham, medizinischer Direktor für Infektionskontrolle und -prävention bei Henry Ford Health System. Da die Impfstoffe keine lebenden Viren enthalten, können sich weder Schwangere noch ihre Babys infizieren. Spezielle Studien wurden nicht an Schwangeren vorgenommen, jedoch an Tiermodellen, wo keine negativen Folgen durch die Corona Impfung festgestellt wurden.

Gibt es Langzeitfolgen durch Corona Impfung für Babys von ehemals Schwangeren und Stillenden?

Stillende Mütter können sich laut Forschern bedenkenlos impfen lassen

Ferner wurden von der CDC (Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention) Daten via SmartphoneApp und andere Überwachungsdaten gesammelt, um Berichte über eventuelle negative Folgen der Covid Impfung zu erhalten. Die Daten stammen von 150 000 Frauen, die zum Zeitpunkt der Corona-Impfung schwanger waren (Spätschwangerschaft) sowie von 2500 Frauen, die sich noch vor der 20. Schwangerschaftswoche impfen ließen. Auch hier wurden keine negativen Langzeitfolgen durch Corona Impfung für Schwangere beziehungsweise nach der Geburt für Mutter und Baby festgestellt.

„Wenn Sie sich während Ihres dritten Trimesters impfen lassen, könnten Sie möglicherweise schützende COVID-19-Antikörper an das Baby weitergeben, aber es ist sicher, sich in jedem Stadium der Schwangerschaft impfen zu lassen“, sagt Dr. Cunningham. „Und Beweise haben gezeigt, dass stillende Menschen, die COVID-19-mRNA-Impfstoffe erhalten haben, Antikörper in ihrer Muttermilch haben, die dazu beitragen könnten, ihre Babys vor COVID-19 zu schützen.“

4. Langzeitschäden durch Corona Impfung aufgrund der schnellen Entwicklung

Mögliche Spätfolgen und ob sie laut Experten wirklich begründet sind


Mögliche unerwartete Spätfolgen durch die Impfung gegen Covid-19 vermuten viele auch deshalb, weil die Impfstoffe so rasend schnell entwickelt und eingesetzt wurden – bedeutend schneller, als es bisher bei anderen Impfstoffen und Medikamenten im Allgemeinen der Fall war. So seien die Stoffe nicht ausreichend erforscht und getestet, wodurch Langzeitfolgen durch Corona Impfung nicht ausgeschlossen werden können. Ist da etwas dran?

Wie Covid-19-mRNA-Impfstoffe im den Zellen des Körpers wirken

Es stimmt zwar, dass die Impfstoffe sehr schnell gefunden wurden, jedoch geschah dies nicht auf Kosten der Sicherheit. „Die COVID-19-Impfstoffe selbst wurden schnell entwickelt, aber die klinischen Studien zur Untersuchung der Sicherheit und Wirksamkeit wurden überhaupt nicht überstürzt“, sagt Dr. Cunningham. „Die Sicherheit wurde in keiner Weise beeinträchtigt. Was schnell geschah, war, den Impfstoff zum Testen zu finden. In den 1980er Jahren haben Wissenschaftler dafür so lange gebraucht, aber dank der wissenschaftlichen Fortschritte, die wir im Laufe der Jahre gemacht haben, können wir Viren so schnell finden.“

Wissenschaftliche Belege widersprechen Mythen zu Langzeitfolgen durch Corona Impfung

Berichte über schwerwiegende Nebenwirkungen sind äußerst selten. Nach Angaben der Zentren für Krankheitskontrolle and -prävention wurden in den USA vom 14. Dezember 2020 bis 23. August 2021 mehr als 363 Millionen Dosen von COVID-19-Impfstoffen verabreicht. Während dieser Zeit erhielt das Vaccine Adverse Event Reporting System (VAERS) 6968 Todesmeldungen (0,0019 %) über Personen, die einen COVID-19-Impfstoff erhalten haben. Die FDA verlangt von Gesundheitsdienstleistern, jeden Tod nach der COVID-19-Impfung an VAERS zu melden, auch wenn unklar ist, ob der Impfstoff die Ursache war. Dementsprechend bedeuten Meldungen über unerwünschte Ereignisse an VAERS nach einer Impfung, einschließlich Todesfälle, nicht zwangsläufig, dass auch tatsächlich der jeweilige Impfstoff ein Gesundheitsproblem verursacht hat und sind kein Indiz für mögliche Langzeitfolgen durch Corona Impfung.

Die mRNA-Technologie ist keine Neuheit

Warum Spätfolgen durch die Coronaimpfung laut Experten unwahrscheinlich sind und man sich immunisieren sollte

Hinzu kommt der Fakt, dass es bereits ausreichend Informationen und Wissen zu ähnlichen Viren wie SARS und MERS gab. Dies unterstützte die Forscher zusätzlich bei der Entwicklung der Impfstoffe. Auch die mRNA-Technologie ist nicht neu. Der erste Wissenschaftler, der die Verwendung von mRNA als Medikament vorschlug, tat dies bereits 1988. Der erste Test eines mRNA-Impfstoffs bei Mäusen fand 1993 statt und die erste klinische Studie mit mRNA-Impfstoffen beim Menschen begann 2015. Ferner wird die mRNA-Technologie seit Jahrzehnten zur Behandlung von Krebs, Grippe, Zika und Tollwut eingesetzt.

Warum sich Menschen mit Immunschwäche und Vorerkrankungen impfen lassen sollten

„Wir haben ein Jahrzehnt in Forschung und Entwicklung in unser Coronavirus-Impfstoffprogramm investiert, um zu zeigen, dass das Spike-Protein das Ziel des Virus war, wie Sie das Spike-Protein abgeben und wie Sie virusneutralisierende Antikörper messen. Es gab dort also mindestens ein Jahrzehnt Forschung“, sagt Hotez. „Und dann die Entdeckung, dass mRNA ein Molekül werden könnte, das die Immunantwort induzieren kann, geht auf die frühen 1960er Jahre zurück. In gewisser Weise ist es also die Konvergenz von einem Jahrzehnt oder mehr Forschung.“

Die klinischen Tests konkret zur Covid-19-Impfung begannen bereits im März 2020. Laut Paul Offit, Direktor des Vaccine Education Center am Children’s Hospital of Philadelphia, treten die schwersten Nebenwirkungen in den ersten sechs Wochen nach der Impfung auf. Dass also anderthalb Jahre nach den ersten Tests noch Langzeitfolgen durch Corona Impfung zu erwarten wären, sei kaum bis gar nicht realistisch.

Langzeitfolgen durch Corona Impfung – Für wen wird eine Immunisierung also empfohlen?

Wer sollte sich gegen das Coronavirus impfen lassen

Die Mythen rund um die Impfstoffe betreffen nicht nur die Langzeitfolgen durch Corona Impfung. Auch wird für viele in Frage gestellt, wer sich eigentlich impfen lassen sollte. Für viele gilt, dass die Risikogruppen ausreichend sind. Schließlich erkranken junge, allgemein gesunde Menschen und Kinder seltener und wenn, dann mit leichteren Symptomen. Wozu dann eine Impfung? Warum es laut Experten für Schwangere beispielsweise von Vorteil wäre, haben wir bereits oben aufgeführt. Experten erklären, warum der Idealfall wäre, dass sich alle Menschen impfen lassen:

Langzeitfolgen durch Corona Impfung - Was ist dran an den Gerüchten

  • Sind junge Menschen und Kinder vor dem Virus sicher?Es stimmt zwar, dass gesunde junge Menschen und Kinder eine Infektion leichter überstehen, jedoch bedeutet das nicht, dass eine schwere Symptomatik komplett ausgeschlossen ist. Auch junge Menschen sind bereits auf der Intensivstation gelandet. Hinzu kommt, dass bei ungeimpften Infizierten die Viruslast deutlich höher ist, was auch das Übertragungsrisiko erhöht. Sie könnten unwissentlich andere Gefährdete anstecken. Weiterhin hat die neue Delta-Variante des Coronavirus auch bei Kindern vermehrt zu Fällen geführt.
  • Menschen mit Vorerkrankungen – Es besteht der Glaube, Menschen mit (chronischen) Vorerkrankungen sollten sich nicht impfen lassen, da das Coronavirus zu einem schweren Krankheitsverlauf führe. Jedoch hat das eine nichts mit dem anderen zu tun. Ja, Vorerkrankungen machen das Virus noch gefährlicher. Daher ist eine Impfung laut Dr. Cunningham umso wichtiger. Wie bereits erklärt, erhalten Sie keinen Virus geimpft, sondern lediglich Informationen, mit denen der Körper Antikörper gegen das Spike-Protein bilden kann und das wiederum stärkt bereits Kranke gegen das Coronavirus.

Warum Experten die Impfstoffe empfehlen

Menschen zweifeln daran, dass die Impfstoffe ausreichend erforscht sind

  • Menschen mit geschwächtem Immunsystem – Der gleiche Glaube besteht für Immungeschwächte. Solche sind beispielsweise Menschen mit Autoimmunerkrankung oder die sich gerade einer Krebsbehandlung unterziehen. „Die Impfstoffe werden Ihnen nicht schaden, da sie kein Lebendvirus enthalten“, sagt Dr. Cunningham. „Diejenigen mit schwachem Immunsystem werden ebenfalls vor COVID-19 geschützt, erhalten aber nicht so viel Schutz wie diejenigen mit einem gesunden Immunsystem.“
  • Genesene – „Ich hatte bereits eine Covid-19-Infektion, dementsprechend hat mein Körper Antikörper gebildet und ich bin geschützt. Eine Impfung ist also unnötig.“ Ja, ja und nein. Sie sind zwar durch Ihren Körper geschützt. Jedoch wissen Wissenschaftler nicht, wie groß dieser Schutz ist und wie lange er anhält. Studien haben gezeigt, dass die Antikörperspiegel bei Menschen mit früheren Infektionen dramatisch variieren können, und Hotez sagt, dass „Sie nicht wissen, unter welche Gruppe Sie fallen.“ Wenn Sie sich jedoch zusätzlich dazu impfen lassen, erhöhen Sie Ihren Schutz drastisch – mehr noch als Menschen, die ohne Genesung geimpft wurden.

„Der Schlüssel zur Beendigung der Pandemie besteht darin, dass alle geimpft werden – nicht nur die am stärksten gefährdeten“, sagt Dr. Cunningham.

Die mRNA-Technologie ist schon seit Jahrzehnten erforscht und nichts Neues

Einige Informationen zur geplanten Auffrischungsimpfung erhalten Sie hier.

Referenzen:

Henry Ford Health System; Interview mit Peter Hotez, Dekan der National School of Tropical Medicine am Baylor College of Medicine und Co-Direktor des Texas Children’s Hospital Center for Vaccine Development; Mayo Clinic Health System; U Chicago Medicine; Daten der CDC; Studie zu Antikörper-Spiegel von The English Journal of Medicine

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