Dritte Impfung gegen Corona: Wann sie laut Experten notwendig und von Vorteil ist

Von Anne Seidel

Die Impfungen gegen das Coronavirus laufen auf Hochtouren und ein Großteil der deutschen Bevölkerung hat sich bereits immunisieren lassen. Inzwischen stellt sich jedoch die Frage, ob auch eine dritte Impfung notwendig ist beziehungsweise eine zweite nach einem Einmal-Impfstoff. Experten raten ganz klar zu der „Booster-Impfung“. Doch ab wann ist die dritte Impfung gegen Corona zu empfehlen und wer braucht eine dritte Corona Impfung überhaupt? Wir fassen kurz zusammen.

Warum eine dritte Impfung gegen das Coronavirus von Vorteil ist

Dritte Impfung notwendig - warum und wann

Warum Experten eine 3. Impfung empfehlen, ist schnell erklärt. Eine dritte Impfung ist notwendig, um den Schutz einerseits zu verlängern, aber andererseits vor allem zu verstärken. Nachdem in Ländern wie den USA und Israel bereits solche Auffrischungsimpfungen durchgeführt wurden, empfiehlt auch die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland diese Taktik – wenn auch erst einmal nur für bestimmte Bevölkerungsgruppen. Zu ihnen zählen Menschen mit Immunschwäche, über 70-Jährige sowie das Personal in Pflege- und medizinischen Einrichtungen und vielen Regionen Deutschlands wurde damit sogar schon begonnen.

Wann dritte Impfung für alle Impfstoffe?

Welche Impfstoffe sind für eine dritte Impfung geeignet

Wer bereits vollständig geimpft ist, soll diesen Herbst keine Auffrischungsimpfung benötigen. Ausnahmen bilden die erwähnten Gruppen. Der Grund dafür ist, dass die Menge an Antikörpern, die der Körper nach einer Immunisierung bildet, nach etwa einem halben Jahr beginnt, sich zu verringern. Das beantwortet auch die häufig gestellte Frage, warum eine dritte Impfung erst nach 6 Monaten notwendig ist. „Nach einem halben Jahr geht das über die Impfung erworbene Antikörper-Level vor allem bei sehr alten Menschen deutlich runter“, erklärt der Virologe Christian Drosten von der Charité Berlin. Dabei spiele es keine Rolle, ob Sie BionTech, AstraZeneca, Moderna oder Janssen (Johnson und Johnson Impfung) erhalten haben.

Während dies bei einem gesunden Menschen nicht gleich das Risiko eines schweren Verlaufs erhöht, sieht es bei den Risikogruppen anders aus. Denn diese haben sowieso schon einen geschwächten Körper. Für alle anderen Bevölkerungsgruppen könne es eines Tages stattdessen ein Altersniveau geben, das die Notwendigkeit definiert.

Womit beim dritten Mal impfen lassen?

Die dritte Impfung sollte ein mRNA Impfstoff sein

Viele denken, dass sie bei der dritten bzw. zweiten Immunisierung den gleichen Impfstoff wählen sollten. Jedoch empfiehlt die Stiko genau das Gegenteil. Und zwar einen anderen Impfstoff zu verwenden, wobei es sich jedoch in jedem Fall um einen mRNA-Impfstoff handeln sollte. Das würde die Wirksamkeit bedeutend verbessern. Hatten Sie also bei Ihren ersten Impfungen einen der Impfstoffe von BionTech/Pfizer oder Moderna, wählen Sie für die dritte Impfung die jeweils andere. Wer zuerst mit AstraZeneca oder Johnson&Johnson geimpft wurde, entscheidet sich nun am besten für BionTech oder Moderna.

Dritte Impfung, wenn keine Antikörper gebildet wurden?

Die Stiko empfiehlt Drittimpfung für ältere Menschen und Risikogruppen


Menschen, bei denen der Körper kaum oder keine Antikörper gebildet hat, stellen sich wahrscheinlich die Frage, ob dann eine dritte Impfung überhaupt sinnvoll wäre. Der Impfexperte und Mitglied des österreichischen Gremiums Herwig Kollaritsch sagt eindeutig: „Jeder, der bisher keine Antikörperantwort gebildet hat, oder wo man vermutet, er hat keine Antikörperantwort gebildet, dem würde ich auf jeden Fall jetzt einmal am besten mit einem anderen Impfstoff – also Pfizer auf Moderna oder umgekehrt oder Vektorimpfstoff und dann mRNA-Impfstoff – eine weitere Impfung geben und dann würde ich eine Antikörperbestimmung machen.“ Er erklärt, dass die fehlenden Antikörper keinesfalls bedeuten, dass der Körper nicht trotzdem ein Immungedächtnis gebildet habe. Dementsprechend könnte eine dritte Impfung oder, falls nötig, sogar eine vierte die Antikörperbildung stimulieren.

Diese Drittimpfung sollte aber nicht vor Ablauf von sechs Wochen erfolgen (am besten mRNA). Eine eventuelle vierte sei wiederum bereits drei bis vier Wochen nach der dritten möglich.

Die WHO zur Drittimpfung

Sind Auffrischungsimpfungen notwendig, wenn keine Antikörper gebildet wurden

Trotz der vielen Experten, die eine dritte Immunisierung befürworten, kritisiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) diese Pläne. Die Chef-Wissenschaftlerin Soumya Swaminathan begründet diese Meinung damit, dass bisher nicht klar wäre, ob Auffrischungsimpfungen tatsächlich notwendig und von Vorteil wären. Das Problem: In vielen ärmeren Ländern mangelt es an Impfstoffen. Menschen, die sich impfen lassen möchten, bekommen daher nicht die Chance. Gleichzeitig bekommen in den reichen Ländern bereits geschützte Menschen eine dritte Dosis. Der WHO-Nothilfekoordinator Mike Ryan meinte, Menschen eine Auffrischimpfung anzubieten sei so, als gebe man Menschen mit Rettungswesten noch eine weitere Weste dazu, während viele Millionen Menschen ohne jeglichen Schutz bleiben müssten.

Warum die WHO gegen eine Auffrischungsimpfung ist


Das Fachblatt „The Lancet“ veröffentlichte eine Studie dazu, die die Meinung der WHO bestätigt. Wie der Bericht erklärt „sind selbst angesichts der Delta-Bedrohung Auffrischungsimpfungen für die Allgemeinbevölkerung in diesem Stadium der Pandemie nicht angebracht“. Man solle mit der Drittimpfung daher besser abwarten und der Versorgung ärmerer Länder mit eben diesen Impfstoffen Vorrang geben. „Wenn die Impfstoffe dort eingesetzt werden, wo sie den größten Nutzen bringen, könnten sie das Ende der Pandemie beschleunigen, indem sie die weitere Entwicklung von Varianten verhindern.“

Was sind Booster-Impfungen und warum Experten sie empfehlen

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