Neurologische Schäden bei COVID-19 auf Immunantwort zurückführbar?

Autor: Charlie Meier

Es ist wahrscheinlich eher die Immunantwort als das Virus an sich, die bei einigen Patienten mit COVID-19 plötzliche Verwirrung und andere neurologische Schäden verursacht. Dies zeigt eine Studie über Fälle mit sechs schwedischen Patienten. Mit der gesammelten Erfahrung der Krankheit hat sich so gezeigt, dass Anzeichen des Nervensystems bei mit Coronavirus infizierten Personen häufig sind.

Verursacht Coronavirus neurologische Schäden?

covid 19 und gehirn neurologische symptome und auswirkungen wegen immunantwort und zytokinsturm

Zu den in der akuten Phase berichteten Symptomen bei COVID-19 gehörten beispielsweise Delir, Persönlichkeitsveränderungen und Gedächtnisprobleme. Dies sind alles Anzeichen einer Beeinträchtigung oder eines Versagens des Gehirns. So ein Anzeichen tritt in schwereren Fällen häufiger auf und ist normalerweise vorübergehend. Bis heute ist unklar, ob SARS-CoV-2, das COVID-19 verursachende Virus, das Gehirn und das Zentralnervensystem so direkt infizieren kann. Die aktuelle Studie der Universität Göteborg zeigt, dass die Immunantwort des Patienten wahrscheinlich die Auswirkungen auf das Nervensystem hat. Der Hauptgrund dafür könnte angesichts der Ergebnisse die massive Aktivierung der Immunzellen, beziehungsweise der Zytokinsturm sein. In der Studie wurden Proben mit Cerebrospinalflüssigkeit (CSF) von sechs Patienten im Krankenhaus am Sahlgrenska University Hospital in Göteborg mit mäßigen oder schweren COVID-19 und Anzeichen von Gehirnstörung genommen. Das Team analysierte so die Proben auf Biomarker, die widerspiegeln, wie das Gehirn auf Infektionen reagiert.

arzt zeigt patientin neurologische schäden aufgrund von coronavirus

Jeder Patient zeigte deutlich erhöhte Spiegel der Entzündungsmarker (Immunaktivierung) Neopterin und Beta-2-Mikroglobulin. Dies weist auf eine wesentliche Aktivierung der Immunzellen des Gehirns hin. In zwei Fällen wurde auch ein Anstieg des Protein-Neurofilament-Lichts (NfL) beobachtet. Dies ist ein Marker, der empfindlich auf Nervenzellschäden reagiert. Andererseits wurde kein Einfluss auf Biomarker für eine Schädigung der Blut-Hirn-Schranke, eine lokale Antikörperproduktion oder eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen beobachtet. Diese sind ansonsten bei Virusinfektionen im Zentralnervensystem häufig. Was den Nachweis der tatsächlichen SARS-CoV-2-Invasion betrifft, waren die Ergebnisse der Analyse ungewiss. Die meisten Hinweise deuten  jedoch darauf hin, dass in der Cerebrospinalflüssigkeit kein Virus vorhanden war, zumindest nicht in signifikantem Maße.

Nachweisbare Studienergebnisse

detaillierte darstellung des coronavirus im körper mit spike proteinen bei infektion

Magnus Gisslén ist Professor für Infektionskrankheiten an der Sahlgrenska-Akademie der Universität Göteborg und Chefarzt der Abteilung für Infektionskrankheiten des Universitätsklinikums Sahlgrenska. Er leitet die klinische Forschung der Akademie zu COVID-19. Insgesamt sah sein Team ein so ungewöhnliches Bild mit ausgeprägter Entzündung und manchmal Nervenzellverletzung. Diese war jedoch ohne Rekrutierung von Zellen des Immunsystems aus dem Blutkreislauf, nachweisbarem Virus oder Schädigung der Blut-Hirn-Schranke. Diese treten normalerweise bei so  einer Virusinfektion im Gehirn auf. Solche Mechanismen stehen hinter einem Symptom, von dem andere Virusinfektionen abzuweichen scheinen. Der erste Autor der Studie ist Arvid Edén. Laut ihm ist es eine dringende Priorität, mehr darüber zu erfahren, wie COVID-19 das Nervensystem beeinflusst. So kann die Wissenschaft feststellen, welche Behandlungsarten geeignet sind, um den Auswirkungen einer Infektion mit SARS-CoV-2 auf das Nervensystem entgegenzuwirken oder diese zu mildern.

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