Gluten verklebt das Gehirn? Diese Theorie wurde widerlegt!

von Ramona Berger
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Der Verzehr von Gluten, einem Protein, das in Weizen, Gerste und Roggen (und Kreuzungen dieser Getreidesorten, wie z. B. Triticale) vorkommt, wirkt sich nicht schädlich auf das Gehirn aus, so eine neue Studie, die in der Zeitschrift JAMA Network Open veröffentlicht wurde.

Welche Auswirkung hat Gluten auf das Gehirn

In den letzten Jahren ist die Frage, ob man Gluten meiden sollte oder nicht, in einigen gesundheitsbewussten Kreisen zu einem Thema mit hitzigen Diskussionen geworden. Es ist unumstritten, dass Menschen mit Zöliakie, einer Erkrankung, bei der der Verzehr von Gluten eine Immunreaktion und Entzündung im Dünndarm verursacht, Gluten meiden sollten. Aber einige Leute haben behauptet, dass Gluten für die Gesundheit außerhalb der Zöliakie schädlich ist, Probleme wie Verdauungsstörungen verursachen oder sogar das Gehirn vernebeln kann, obwohl es kaum Beweise dafür gibt.

 

Für die neueste Studie waren Forscher der Harvard Medical School daran interessiert, den Zusammenhang zwischen Gluten und Gehirngesundheit bei Menschen ohne Zöliakie oder eine andere Glutenunverträglichkeit zu untersuchen.

Die Teilnehmer waren 13 494 Frauen aus den USA, die keine Zöliakie oder diagnostizierte Glutenunverträglichkeit hatten. Daten über die Ernährung der Teilnehmer wurden zwischen 1991 und 2015 gesammelt, während die kognitive Funktion zwischen 2014 und 2019 bewertet wurde. Die Glutenaufnahme wurde für jeden Teilnehmer basierend auf der Gesamtzahl der Kalorien, die er zu sich nahm, angepasst – dies war notwendig, da sonst Personen, die generell mehr aßen, die höchste Punktzahl für den Glutenkonsum erreichen könnten.

Frau wählt Brot im Supermarkt aus

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Unter den 13 494 Frauen, die in die Analyse einbezogen wurden, lag der durchschnittliche tägliche Gluten-Konsum bei 6,3 Gramm. Das entspricht etwa drei Scheiben Brot.

Basierend auf der Glutenzufuhr wurden die Teilnehmerinnen in fünf gleich große Gruppen eingeteilt, vom höchsten bis zum niedrigsten Glutenkonsum. Nach der Kontrolle von demografischen und Lebensstilfaktoren, die bekanntermaßen zum Risiko für kognitiven Verfall/ Demenz beitragen, fanden die Forscher keinen Zusammenhang zwischen der Glutengruppe und der Gehirnleistung einer Person. Dies galt für alle gemessenen Aspekte der geistigen Leistungsfähigkeit (psychomotorische Geschwindigkeit und Aufmerksamkeit, Lern- und Arbeitsgedächtnis sowie globale Kognition).

Der fehlende Zusammenhang blieb auch dann bestehen, wenn die Forscher berücksichtigten, ob die Personen Gluten aus verschiedenen Nahrungsquellen (wie Vollkorn oder raffiniertes Getreide) zu sich nahmen, und wenn sie die Glutenaufnahme zu verschiedenen Zeitpunkten oder Veränderungen der Glutenaufnahme im Laufe der Zeit untersuchten. Die Glutenaufnahme hatte auch keinen Einfluss auf die kognitive Funktion bzw. die Gehirngesundheit bei Frauen, bei denen bereits Krebs oder Demenz diagnostiziert worden war.

Ist Gluten schädlich fürs Gehirn?

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Einschränkung des Glutenkonsums zum Erhalt oder zur Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten nicht gerechtfertigt ist, wenn keine Zöliakie oder eine bestätigte Glutenunverträglichkeit vorliegt“, so die Schlussfolgerung der Forscher. Um dieses Ergebnis zu bestätigen, sind weitere Untersuchungen an einer größeren Gruppe von Teilnehmern erforderlich, so die Forscher.

Quelle: JAMA Network Open (2021) Long-term Intake of Gluten and Cognitive Function Among US Women

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