Epileptische Krampfanfälle durch Implantate im Gehirn prognostizieren?

Von Charlie Meier

Eine Untersuchung von Mustern der Gehirnaktivität kann laut Forschern verwendet werden, um epileptische Krampfanfälle bei Patienten vorauszusagen. Dies geht aus einer neuen Analyse von Daten hervor, die von Neurowissenschaftlern der Universität San Francisco, Bern und Genf aus klinisch zugelassenen Gehirnimplantaten erhalten wurden.

Lassen sich epileptische Krampfanfälle vorhersagen?

patient mit epilepsie und arzt besprechend röntgenaufnahme des gehirns

Seit vierzig Jahren konzentrieren sich die Bemühungen zur Vorhersage von Anfällen der Epilepsie auf die Entwicklung von Frühwarnsystemen. So sollen Patienten bestenfalls wenige Sekunden oder Minuten vor einem Anfall gewarnt werden können. Dies ist also das erste Mal, dass jemand mehrere Anfälle zuverlässig Tage im Voraus vorhersagen kann. Die neue Methode könnte es den betroffenen Menschen und ihren Verwandten ermöglichen, ihr Leben besser zu planen. Dies gilt besonders dann, wenn sie einem hohen Anfallsrisiko ausgesetzt sind, so die Studienautoren. Epilepsie ist eine chronische Krankheit, die durch wiederkehrende Anfälle gekennzeichnet ist. Dies sind kurze Stürme elektrischer Aktivität im Gehirn, die Krämpfe, Halluzinationen oder Bewusstlosigkeit verursachen können.

ältere frau mit stock nach einem epileptischen anfall auf dem boden gefallen

Seit Jahrzehnten arbeiten Forscher daran, Muster elektrischer Aktivität im Gehirn zu identifizieren, die auf einen bevorstehenden Anfall hinweisen. Der Erfolg ist bislang jedoch begrenzt. Zum Teil, so die Autoren der Studie, liegt dies daran, dass die Technologie das Feld auf die Aufzeichnung der Gehirnaktivität für höchstens Tage und in künstlichen stationären Umgebungen beschränkt hat. Die Forscher wollten also testen, ob sie diese regelmäßigen Muster zur Erstellung von klinisch zuverlässigen Prognosen des Risikos verwenden können. Sie haben statistische Modelle entwickelt, die Muster der aufgezeichneten Gehirnaktivität mit nachfolgenden Anfällen bei 18 Epilepsiepatienten abgleichen. Dabei haben sie implantierte neurologische Geräte beobachtet. Anschließend testete das Team diese Prognosealgorithmen anhand von Daten aus 157 Teilnehmern, die zwischen 2004 und 2018 an der multizentrischen Langzeitbehandlungsstudie teilgenommen hatten.

Studienergebnisse

mann hält ein neuropace implantat an seinem kopf und kann damit epileptische krampfanfälle voraussagen

Rückblickend auf die Studiendaten konnten die Forscher also Zeiträume identifizieren, in denen die Wahrscheinlichkeit eines Anfalls bei Patienten fast zehnmal höher als zu Studienbeginn war. Bei einigen Patienten konnten sogar Anzeichen für diese Zeiträume mit erhöhtem Risiko mehrere Tage im Voraus festgestellt werden. So ein erhöhtes Anfallsrisiko bedeutet natürlich nicht unbedingt, dass epileptische Krampfanfälle auftreten werden. Epileptologen verstehen immer noch nicht vollständig, was an einem bestimmten Zeitpunkt zu einem Anfall führt, obwohl viele Patienten Auslöser wie Stress, Alkohol, fehlende Medikamentendosen oder Schlafmangel melden. Diese Studie vergleicht also das System mit den Vorhersagemodellen von Wettervorhersagen, nach denen Menschen häufig entscheiden, welche Kleidung sie tragen und ob sie beim Ausgehen einen Regenschirm mitnehmen sollen. Daher ist es möglich, dass speziell entwickelte Geräte prädiktive Schwankungen der Gehirnaktivität bei einem breiteren Spektrum von Patienten erkennen können. Oder es könnte sein, dass Epilepsiepatienten, wie in vielerlei Hinsicht, einfach in der Vorhersagbarkeit ihrer Risikozyklen variieren.

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