Akutes Lungenversagen bei Corona nicht durch Zytokinsturm ausgelöst?

Autor: Charlie Meier

Neue Forschungsergebnisse legen nahe, dass inflammatorisches Zytokin und Killerzellen nicht der Hauptgrund für akutes Lungenversagen bei Coronavirus sind. Viele Forscher haben bisher geglaubt, dass Signalmoleküle für solche Immunzellen bei Menschen mit COVID-19 Lungenschäden verursachen. Darüber hinaus könnte dieser Befund die Art und Weise verändern, wie Ärzte schwere Infektionen bei COVID-19 behandeln. Dies könnte auch erklären, warum entzündungshemmende Medikamente nur bei einem kleinen Teil der Patienten mit Sars-CoV-2 wirken.

Woran liegt akutes Lungenversagen bei Sars-CoV-2?

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Eine der allerersten Veröffentlichungen zu COVID-19-Patienten in China berichtete also über einen Zytokinsturm bei Menschen auf der Intensivstation. Die neue Studie stellt fest, dass so eine Immunantwort jedoch relativ selten auftritt. Dies gilt selbst für Patienten, die weiterhin ein akutes Lungenversagen haben und ein Beatmungsgerät benötigen. Trotz der schwachen Beweise haben Wissenschaftler festgestellt, dass bei COVID-19 die Ursache eher eine respiratorische Insuffizienz sei. Darüber hinaus haben Ärzte begonnen, kritisch kranken COVID-19-Patienten entzündungshemmende Medikamente zu verabreichen, um einem Zytokinsturm vorzubeugen. Bislang haben jedoch mehrere Studien gezeigt, dass so ein akutes Lungenversagen im Zusammenhang mit COVID-19 darauf zurückzuführen sei. Zytokine sind also signalisierende Moleküle, die diese Kommunikation mit den Immunzellen unterstützen. Sie regen jedoch auch Killerzellen an, sich in Bereiche mit Infektionen, Entzündungen oder Verletzungen zu bewegen.

vermehrung von bakterien im menschlichen körper

Wenn also so ein Zustand auftritt, setzt der Körper übermäßige Mengen an Zytokinen frei. Dementsprechend löst das eine überzogene Immunantwort aus. Bei SARS-CoV-2-Infektionen kann ein Zytokinsturm dazu führen, dass sich entzündliche Zellen in der Lunge ansammeln und Schäden verursachen. Dieser vorgeschlagene Zusammenhang hat viele Ärzte dazu veranlasst, schwerkranken COVID-19-Patienten hohe Dosen entzündungshemmender Medikamente, hauptsächlich Steroide, zu verabreichen. Darüber hinaus zeigen begrenzte Studien, dass hohe Dosen die Wahrscheinlichkeit des Todes bei einer kleinen Gruppe kritisch kranker Menschen mit COVID-19 verringern können. Um so eine Immunantwort auf Influenza zu untersuchen, begann das Team noch vor Beginn der COVID-19-Pandemie mit der Analyse von Blutproben. Diese kamen von einwilligenden Patienten aus der Notaufnahme. Die Forscher und ihr Team untersuchten also Immunzellen und -moleküle in Blutproben von 168 COVID-19-Patienten, 26 Influenza-Patienten und 16 gesunden Menschen.

Studienergebnisse

blutprobe von covid 19 patient während der pandemie

Das Forschungsteam fand ähnliche Spiegel an Entzündungszellen im Blut von Patienten mit COVID-19 und Influenza. Insgesamt schienen nur sieben COVID-19-Patienten (4 %) an Zytokinsturm zu leiden. Die Mehrheit der Menschen mit Lungenversagen hatte ebenfalls keine Anzeichen davon. Tatsächlich hatten sie weniger Entzündungen als ebenso Kranke mit Influenza. Die Ergebnisse dieser Studie stützen also einige frühere Untersuchungen. Bei diesen wurde festgestellt, dass Behandlungen mit Steroiden nur einem kleinen Prozentsatz schwerkranker COVID-19-Patienten zugutekommen. Darüber hinaus wäre die Verabreichung von Steroiden an jemanden, der bereits viele davon in seinem Körper hat, möglicherweise nicht sicher. Die Studienautoren müssen also einen Weg finden, um Patienten zu identifizieren, bei denen so ein Zytokinsturm auftritt. Sie verwenden aktuell eingehende Analysen, um zu lernen, wie vorhergesagt werden kann, wer die Erkrankung entwickeln wird. Auf diese Weise können Ärzte denjenigen Steroide verabreichen, die am wahrscheinlichsten von so einer Therapie profitieren und am wenigsten geschädigt werden.

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