Wie eine bakterielle Darminfektion das enterische Nervensystem schützt und Reizdarm vorbeugen kann

Von Charlie Meier

Eine neue Studie zeigt, dass eine bakterielle Darminfektion entgegen den meisten Erwartungen gesundheitliche Vorteile mit sich bringen könnte. Mäuse, die in der Forschung mit Bakterien oder Parasiten infiziert waren, entwickelten eine einzigartige Form der Toleranz, die ganz anders als die Immunantwort ist. Die veröffentlichten Studienergebnisse beschreiben außerdem, wie Darmmakrophagen auf einen früheren Angriff reagieren, indem sie das enterische Nervensystem abschirmen. Darüber hinaus verhindert dies, dass enterische Neuronen absterben, wenn zukünftige Krankheitserreger zuschlagen.

Die schützende Wirkung, die eine bakterielle Darminfektion aufweisen kann

wie eine bakterielle darminfektion untypischerweise das reizdarmsyndrom vorbeugen kann

Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse könnten klinische Auswirkungen auf Erkrankungen wie das Reizdarmsyndrom haben, die mit dem unkontrollierten Tod von Darmneuronen in Verbindung stehen. Das enterische Nervensystem, das als „zweites Gehirn“ bekannt ist, beherbergt das größte Depot von Neuronen und Gliazellen außerhalb des Gehirns. Das eigene Nervensystem des Magen-Darm-Trakts existiert dementsprechend mehr oder weniger autonom, ohne nennenswerten Beitrag vom Gehirn. Es steuert außerdem die Bewegung von Nährstoffen und koordiniert den lokalen Flüssigkeitsaustausch sowie den Blutfluss. Dies tut es mit einer Autorität, die sonst nirgendwo im peripheren Nervensystem zu beobachten ist. Wenn jedoch eine Mehrzahl dieser Neuronen abstirbt, gerät der Magen-Darm-Trakt außer Kontrolle. Nun wollten die Studienautoren herausfinden, ob der Körper über einen Mechanismus verfügt, der den Verlust von Nervenzellen nach einer Infektion verhindern könnte. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass auch eine wiederholte parasitäre oder bakterielle Darminfektion den neuronalen Verlust verhindern kann.

laborant hält eine petrischale mit darmbakterien

Im Gegensatz zu pathogenen Bakterien haben einige Parasiten wie gastrointestinale Helminthen gelernt, das Darmgewebe nicht zu schädigen, so die Forscher. Tatsächlich infiziert diese Familie von Parasiten, zu der Egel, Bandwürmer und Nematoden gehören, auf subtilere Weise als feindliche Bakterien. Somit bewirken sie sogar auch einen noch größeren und weitreichenderen Schutz. Nun hofft das Forschungsteam, die genauen Auswirkungen des neuronalen Verlustes im Magen-Darm-Trakt bestimmen zu können. Menschen, die aus irgendeinem Grund keine Toleranz entwickeln, können bei jeder nachfolgenden Infektion ihr ganzes Leben lang enterische Neuronen verlieren. Zukünftige Studien werden alternative Methoden zum Schutz enterischer Neuronen untersuchen und hoffentlich den Weg für Therapien ebnen. Darüber hinaus glauben die Autoren dieser Studie, dass die Ergebnisse zu einem umfassenderen Verständnis der zugrunde liegenden Ursachen von Reizdarmsyndrom und verwandten Darmerkrankungen beitragen könnten.

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