Die Unfähigkeit eines Gehirnbereichs sich an Stress anzupassen kann Depressionen auslösen

Von Olga Schneider

Anhaltender Stress kann Depressionen auslösen. So viel ist den Forschern bereits bewusst. Aber warum das so ist und welche Prozesse dabei in unserem Körper verlaufen, bleibt unklar. Eine neue Studie ergibt, dass die Unfähigkeit eines Gehirnbereichs, sich an den Stress anzupassen, Depressionen auslösen könnte. Es handelt sich um die Großhirnrinde (Cortex), die den täglichen Stress verarbeitet.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Stress, Gehirn und Depressionen

Depressionen durch Stress ausgelöst Gehirnbereich nicht funktioniert

Die chronische Depression ist eine der häufigsten psychischen Erkrankungen weltweit. Die Corona-Pandemie und die Lockdowns hatten auch eine negative Wirkung auf die mentale Gesundheit. Besonders betroffen sind Menschen unter 30 Jahren. So ein lang anhaltender Stress kann Depressionen auslösen. Ein charakteristisches Symptom ist die Anhedonie, bei der der Betroffene Freude und Vergnügen nur eingeschränkt oder überhaupt nicht empfinden kann.

Neue Studien weisen darauf hin, dass die Großhirnrinde für dieses Symptom verantwortlich ist. Der Botenstoff Glutamat spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die Neuronen in der Großhirnrinde produzieren Glutamat nur nach Bedarf. Tests mit Nagetieren haben ergeben, dass der Körper deutlich weniger Glutamat als gewöhnlich ausschüttet, wenn sie schon an chronischem Stress leiden und plötzlich einem neuen akuten Stress ausgesetzt werden.

Stress und Veränderungen im Gehirn und Depressionen

Ein Forscherteam an der Universität in Emory in den USA hat jetzt einen ähnlichen Zusammenhang auch bei Menschen mit Depressionen festgestellt. Die Betroffenen sind nicht in der Lage, ausreichend Glutamat als Reaktion auf erhöhten täglichen Stress zu produzieren. Je nachdem, wie groß der Mangel ist, und wie die Körperantwort ausfällt, variiert auch der Schweregrad der depressiven Symptome und besonders der Anhedonie.

Während der Studie haben die Forscher die Niveaus von Glutamat bei 65 Probanden gemessen. Parallel sollten die Teilnehmer Fragebögen ausfüllen. Aufgrund der Daten wurde klar, dass Probanden, deren Körper bei Stress weniger Glutamat als bei gesunden Menschen herstellt, deutlich weniger Freude am Leben haben.

Die Forscher weisen darauf hin, dass die Studie auch mehrere offene Fragen lässt. Die Probanden mit Depressionen und die Teilnehmer aus der Kontrollgruppe haben zum Beispiel die Stressniveaus unterschiedlich hoch eingeschätzt.

Die Forscher hoffen nun, dass aufgrund der Studienergebnisse neue Therapiemöglichkeiten für Menschen mit Depressionen entwickelt werden.

Zu der Studie

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