Könnte Multiple Sklerose durch Impfungen ausgelöst werden?

Multiple Sklerose Impfungen Veränderungen Gehirnzellen

Vor knapp zwei Jahren sprach der Europäische Gerichtshof einem Patienten mit Multiple Sklerose Schadensersatz zu. Der Grund: Kurz nach einer Hepatitis-B-Impfung wurde der Kläger mit MS diagnostiziert. Er verklagte den französischen Hersteller der Impfstoffe. Der Prozess dauerte mehr als 10 Jahre, inzwischen ist der Mann an den Folgen der schweren Erkrankung verstorben, seine Verwandten ließen aber die Klage weiter laufen. Nun stellt sich die Frage: Könnte Multiple Sklerose durch Impfungen ausgelöst werden?

Die Forscher konnten keinen Zusammenhang zwischen Multiple Sklerose und Impfungen feststellen

Bis zu diesem Zeitpunkt sind zahlreiche Studien weltweit durchgeführt worden. Eine Mehrheit davon konnte keinen Zusammenhang zwischen Multiple Sklerose und Impfungen feststellen, ein kleiner Teil davon behauptete aber das Gegenteil. Sie wurden aber wegen der kleinen Probanden-Gruppe von der Weltgesundheitsorganisation kritisch bewertet. Für die Wissenschaftler stand fest: Es sollte eine umfangreiche Studie durchgeführt werden. Ein Team aus München hatte deswegen die Patientenakten und den Datensatz der bayerischen Krankenkasse gründlich durchforscht und die Daten von mehr als 200.000 Menschen ausgewertet. Im Endeffekt konnten die Forscher die Schlussfolgerung machen, dass es keinen Hinweis darauf gäbe, dass Impfungen Multiple Sklerose auslösen könnten. Die Wissenschaftler stellten außerdem fest, dass sich die MS-Betroffenen seltener als gesunde Menschen oder andere Patienten mit chronischen Krankheiten impfen ließen. Dieses Verhalten konnte in den letzten 5 Jahren vor der MS-Diagnosenstellung beobachtet werden. Woran es liegen könnte, wussten selbst die Forscher nicht genau. Es könnte aber daran liegen, dass Multiple Sklerose Erkrankte ihr Verhalten mehrere Jahre vor der Diagnose und den ersten Symptomen stark verändern.

Patienten mit Multiple Sklerose: Wann macht Impfen Sinn?

Multiple Sklerose Patienten impfen oder nicht

Auch nach dem Ausbruch der Krankheit stellt sich für Patienten mit Multiple Sklerose oft die Frage, ob Impfungen für sie Sinn machen. Letztendlich werden Menschen mit Autoimmunerkrankungen oft mit immunsuppressiven Medikamenten behandelt. Die Antwort ist nie einfach und hängt vom eigenen Impfstatus und von anderen Faktoren ab. Grundsätzlich werden den meisten Betroffenen 7-8 Wochen vor dem Start der Therapie Lebendimpfungen verabreicht. Hat die immunsupressive Therapie jedoch bereits begonnen, sollten die Patienten auf keinen Fall mit Lebendimpfungen geimpft werden. Impfungen mit Totimpfstoffen gelten in der Regel als unbedenklich und können vorgenommen werden.

Natürlich sollte sich jeder zuvor beim Hausarzt beraten lassen, denn er kennt den Patienten und kann am besten einschätzen, welche Impfungen Sinn machen und zugelassen sind.

Zu der Studie des deutschen Forscherteams.



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