Gerinnungshemmende Medikamente unwirksam bei schwerem COVID-19

Von Charlie Meier

Blutverdünner oder gerinnungshemmende Medikamente werden normalerweise zur Behandlung von Vorhofflimmern eingesetzt. Diese verhindern Blutgerinnsel, die auch bei Coronavirus als Symptom beobachtet wurden. Zu Beginn der anhaltenden Pandemie gab es nämlich Berichte, dass viele Patienten mit schwerem COVID-19 Blutgerinnsel in ihren Lungenarterien und anderen Körperteilen hatten. Eine neue Studie des Karolinska Institutet legt nahe, dass Menschen mit einer Infektion aufgrund von Sars-CoV-2, die so eine Wirkstoffklasse verwenden, nicht vor einem schweren Krankheitsverlauf geschützt sind.

Wie wirken gerinnungshemmende Medikamente bei COVID-19?

gerinnungshemmende medikamente gegen thrombose bei covid 19

Die bisherige Hypothese war, dass Blutgerinnsel an sich zu einer schwerwiegenden Funktionsverschlechterung der Lunge und anderer Organe beitragen können. Man könnte also annehmen, dass eine vorbeugende Behandlung mit Antikoagulantien einen gewissen Schutz bietet, so die Studienautoren. Um herauszufinden, ob dies der Fall ist, führte das Team aus anderen Gründen als COVID-19 eine Studie mit Patienten durch. Diese basierte auf Fälle von Menschen, die Antikoagulantien erhielten. Die Studie umfasste über 100 000 Schweden im Alter zwischen 45 und 84 Jahren, bei denen Vorhofflimmern mit oralen Blutverdünnungsmitteln behandelt wurde. Zu den Kontrollgruppen gehörten über 350 000 Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die solche Medikamente nicht einnahmen. Anschließend untersuchten die Forscher die Häufigkeit von Krankenhausaufenthalten, Intensivpflege und Todesfällen aufgrund von COVID-19 zwischen dem 1. Februar und dem 31. Mai 2020. Dies geschah unter Berücksichtigung von Faktoren wie Alter, Geschlecht, Wohnort sowie anderen Krankheiten und Medikamenten.

blutproben und bluttest auf sars cov 2 im krankenhaus beim kardiologen

Die Ergebnisse der Beobachtungsstudie zeigen, dass gerinnungshemmende Medikamente den Anteil von Krankenhausaufenthalten, Intensivpflege oder Todesfällen aufgrund von COVID-19 nicht verringerte. Darüber hinaus legt diese Forschung nahe, dass so eine frühe Behandlung nicht vor schwerem COVID-19 schützt. Solche Fälle sollten jedoch mit Vorsicht behandelt werden, da möglicherweise Unterschiede zwischen den schwer messbaren Gruppen bestehen bleiben. Die Studie sagt auch nichts darüber aus, ob andere Arten von Antikoagulantien wirksam sein könnten, aber weltweit werden diesbezüglich zahlreiche klinische Studien durchgeführt. Die Forscher führen eine andere, begleitende Studie durch, die von einem Arzneimittelhersteller  finanziert wird.

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