Blutgerinnsel im Bein oder anderen Gliedmaßen sind neu entdeckte Folgen von Covid-19

Autor: Anne Seidel

Rätselhafte Blutgerinnsel im Bein, Arm und in den Fingern, die als Folge einer Covid-19-Infektion auftreten, haben Ärzte in den USA, China und auch in Europa festgestellt. Die Gerinnsel stören den Blutfluss, indem sie die Blutgefäße verstopfen. In den Gliedmaßen kann ein Blutgerinnsel, das ein Gefäß verschließt, schwerwiegende Folgen haben - von Amputationen bis hin zu Lungenembolien, Herzinfarkten oder Schlaganfällen, wenn dieses weiter in die Lunge, das Herz oder das Gehirn wandert. Den Tod von mindestens sechs Patienten sollen solche Gerinnsel bereits verursacht haben. Laut Studie treten Komplikationen durch Thrombosen bei etwa jedem dritten von 184 untersuchten Patienten mit Corona auf.

Blutgerinnsel im Bein bei Patienten mit Covid-19

Blutgerinnsel im Bein und Armen als Folge durch Covid-19-Infektion

Auch Amputationen seien bereits notwendig gewesen sein, wie bei dem mit Covid-19 infizierten Schauspieler Nick Cordero, der ein Bein verlor, nachdem es abgestorben war. Da aber die Gesundheitsgesetze die Veröffentlichung solcher Daten verbietet und Krankenhäuser dementsprechend Fälle dieser Art schwieriger melden, könne man frühestens im April nächsten Jahres genauere Statistiken zu der Verbindung zwischen Blutgerinnsel im Bein und anderen Gliedmaßen und Covid-19 erwarten, wie ein Sprecher der Florida Agency for Health Care Administration, die die Amputationen von Gliedmaßen überwacht, erklärt.

Ärzte verstehen die Ursache für Blutgerinnsel im Bein und anderen Gliedmaßen nicht

Folgen von Covid-19 für das Blutgefäßsystem - Amputationen und Tod

Die Ärzte verstehen bisher weder, wie es zu diesen Gerinnseln kommt, noch warum und wann. "Wir wissen immer noch nicht, was ... es tut", sagte Dr. Mohammad Abdallah, ein Gefäßchirurg bei Broward Health, über das Virus. Auch ist unklar, ob die Blutgerinnsel im Bein oder in anderen Gliedmaßen mit bereits bestehendem Diabetes oder Herzerkrankungen in Verbindung stehen. Eine Vermutung sei aber, dass Coronavirus selbst die Gerinnsel verursacht, indem es das Endothel der Blutgefäße infiziert, was zu Blutgerinnungsstörungen führt, wie ein Artikel aus der Zeitschrift The Lancet erklärt.

Dr. Abdallah war auch der behandelnde Gefäßchirurg des 48-jährigen David Guerrero, der plötzlich begann, das Gefühl in seinem rechten Bein zu verlieren und Nadelstiche zu verspüren. Zu diesem Zeitpunkt wusste dieser nicht einmal, dass er mit Covid-19 infiziert war. Da dieses Gefühl auch nach längerer Zeit nicht verschwand, empfiehl ihm sein Arzt einen Covid-19-Test zu machen. Bis das Ergebnis vorlag, wurde sein Bein taub, gefolgt von starken Schmerzen.

Zusammenhänge noch unklar

Vermehrt Blutgerinnsel im Bein und anderen Gliedmaßen bei Coronapatienten

In der Notaufnahme übernahm ihn dann Abdallah, der nicht nur feststellte, dass kein Blut mehr ins Bein gelangte, sondern auch die für Covid-19 typische Infektion der Lunge. Als die dreitägigen Versuche, die Gerinnsel mit starken Blutverdünnern zu zerstören, nichts bewirkten, blieb den Ärzten nur noch eine Operation - der Patient hatte nichts mehr zu verlieren. Sie retteten Guerrero das Leben und das Bein. Was den Chirurgen überraschte, war das Ausmaß der Blutgerinnsel im Bein. Sie waren hart und schwarz und wie ein Stecker.

„Ich habe in meiner Karriere hunderte Blutgerinnsel gesehen, aber noch nie so viele anormale extreme Fälle“, sagt Bikdeli, der mit einem Forscherteam zu dem Schluss kam, dass das Risiko einer Thrombose durch COVID-19 so hoch sei, dass Patienten „möglicher­weise prophylaktisch Blutverdünner verabreicht werden sollten“.

"Wenn die akute Extremitätenischämie das erste Symptom ist, wie wir es bei einigen Fällen hatten, dann geht es diesen Patienten gut", sagte Rey. „Wenn es danach als Komplikation auftrat, sind sie definitiv gestorben. Wir können mindestens sechs verstorbene Patienten zählen“, sagte Dr. Jorge Rey, Chef der Gefäßchirurgie an der Medizinischen Fakultät der Universität von Miami.

Studie über Häufigkeit von Thrombosen bei Coronapatienten Artikel von Bikdeli aus dem Journal of The American College of Cardiology, 2020 Artikel auf The Lancet



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