Hemmt die herkömmliche antidepressive Medikation das Tumorwachstum?

Von Charlie Meier

Neue Studienergebnisse legen nahe, dass bereits zugelassene antidepressive Medikation vielversprechend bei Krebserkrankungen sein könnte. Darüber hinaus könnten klassische Antidepressiva helfen, moderne Krebstherapien zu verbessern. In der neuen Forschung verlangsamten diese das Wachstum von Bauchspeicheldrüsen- und Dickdarmkrebs bei Mäusen und in Kombination mit einer Immuntherapie stoppten sie sogar das Tumorwachstum langfristig. Die Studienautoren fanden außerdem heraus, dass in einigen Fällen die Tumore vollständig verschwanden. Nun testen sie diesen Effekt in aktuellen klinischen Studien an Menschen.

Wie sich konventionelle antidepressive Medikation auf Krebszellen auswirkt

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Serotonin ist ein Neurotransmitter, der wegen seiner positiven Wirkung auf die Stimmung auch als Glückshormon bekannt ist. Bei depressiven Menschen ist die Serotoninkonzentration im Gehirn jedoch reduziert. Das Hormon beeinflusst auch viele andere Funktionen im ganzen Körper. Der Großteil des Serotonins befindet sich nicht im Gehirn, sondern wird in den Blutplättchen gespeichert. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, die zur Behandlung von Depressionen zum Einsatz kommen, erhöhen den Serotoninspiegel im Gehirn. Ihre Wirkstoffe senken jedoch auch den peripheren Serotoninspiegel in den Blutplättchen. Die Beteiligung von Serotonin an der Karzinogenese war bereits bekannt. Bisher waren die zugrunde liegenden Mechanismen jedoch im Dunkeln geblieben. Nun haben Forschende der Universität Zürich gezeigt, dass diese oder andere Medikamente, die den peripheren Serotoninspiegel senken, auch bei Mäusen das Krebswachstum verlangsamen können.

ausschüttung vom hormon serotonin als molekül im körper

Ein Problem bei der Behandlung besteht darin, dass die Tumorzellen mit der Zeit gegen die Medikamente resistent werden. Nun hat die Forschungsgruppe die Rolle von Serotonin bei diesem Mechanismus entdeckt. Ohne Serotonin erkennt das Immunsystem die Krebszellen wieder und kann diese durch den Einsatz von T-Zellen zerstören. Dementsprechend konnte das Forschungsteam im Experimenten mit Labormäusen zeigen, dass antidepressive Medikation dazu beitragen können. Diese Klasse von Antidepressiva bewirken, dass Immunzellen Tumorzellen wieder erkennen und effizient beseitigen. In einem nächsten Schritt testeten die Forscher einen dualen Behandlungsansatz an Mäusen. Sie kombinierten eine Immuntherapie, die diese Aktivität von Killer-T-Zellen erhöht, mit Medikamenten, die peripheres Serotonin reduzieren. Die Ergebnisse dieser Studie waren beeindruckend: Das Tumorwachstum wurde in den Tiermodellen langfristig unterdrückt, wobei die Tumore bei einigen Mäusen verschwanden. Die neuen Erkenntnisse geben Krebspatienten Hoffnung, da die eingesetzten Medikamente bereits für den klinischen Einsatz zugelassen sind. Das Testen solcher Wirkstoffkombinationen kann daher problemlos erfolgen.

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